Rainer Schüle Welcher Dämmstoff ist optimal?

Die Frage, welchen Dämmstoff man wählen soll, stellt viele Hausbesitzer vor eine ziemlich große Herausforderung. Aus Kostengründen wird der Markt zwar dominiert von weißen oder mittlerweile grauen Kunststoffplatten, die umgangssprachlich meist gleichgesetzt werden mit dem Produktnamen Styropor. Im Fachjargon wird dieses Material EPS (Exdrudiertes Polystyrol) genannt und umfasst  auch die Produkte anderer Hersteller, die das überwiegend aus Luft bestehende Erdölprodukt nach gleicher Machart produzieren. Daneben gibt es aber eine riesige Auswahl weiterer Dämmstoffe mit unterschiedlichsten Eigenschaften, die mal Vor-, mal Nachteile haben können. Neben der Dämmwirkung sind dies zum Beispiel Fragen nach der Brennbarkeit, dem Herstellungsaufwand, möglicher Entsorgungswege, der Umweltbilanz und der Gesundheitsverträglichkeit bei Produktion, Verarbeitung und Nutzung.

Es gibt dazu zahlreiche zum Teil widersprüchliche Informationen, die im Internet, in der Presse und in verschiedenen TV-Verbrauchermagazinen kursieren und die mal sachlich, oft aber interessensgeleitet für das eine oder gegen das andere Produkt argumentieren. Steht eine Sanierung oder der Bau eines Hauses an, sollte man sich bei der Auswahl nicht irritieren lassen und in Ruhe Schritt für Schritt entscheiden, welches Produkt beim eigenen Bau- oder Sanierungskonzept das richtige ist.

Wo wird die Dämmung eingesetzt? Das ist zunächst die wichtigste Frage. Denn je nachdem ob es sich um eine Außenwand, eine Kellerdecke oder ein Dachstuhl ist, kommen jeweils ganz unterschiedliche Anforderungen auf das Material zu. Wird die Wand außen oder innen gedämmt? Muss die Konstruktion Feuchtigkeit transportieren können oder soll sie das grade nicht? Bauphysik ist eine entscheidende Disziplin bei der Wahl des Dämmstoffes und der Festlegung des richtigen Dämmkonzeptes. Deshalb sollte immer ein Fachmann zu Rate gezogen werden, der sein Handwerk versteht. Handwerkliche Schlamperei und Know-How-Mangel bei Do-It-Yourself-Lösungen können böse Folgen haben, wenn z.B. Folien vergessen oder verkehrt eingebaut werden, Wärmebrücken ignoriert oder Luftdichtigkeitsprobleme unerkannt bleiben.

Die meisten Systeme sind heute ausgereift und können bedenkenlos empfohlen werden, wenn sie sich in der Praxis bewährt haben. Fundiertes Wissen und Praxiserfahrung eines Fachmanns hilft da effizient weiter. Daher ist die Wahl des richtigen Architekten, Energieberaters und/oder Handwerkers mindestens genauso wichtig wie die Wahl des passenden Dämmstoffes.

Der Fachmann muss sich auch auskennen mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Nicht nur beim Neubau eines Hauses, sondern auch bei energetischen Sanierungsmaßnahmen muss man die strengen Mindestanforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV einhalten. Die EnEV regelt unter anderem, wie viel Energie Neu- und sanierte Altbauten jährlich verbrauchen dürfen. Für einzelne Bauteile ist dabei festgelegt, welchen Wert der Wärmedurchgangskoeffizient nicht überschreiten darf. Dieser legt für jedes Bauteil fest, wie wärmedurchlässig es sein darf. Auch die Luftundurchlässigkeit wird  in der EnEV eingefordert. Die Hülle eines Gebäudes einschließlich der Fugen muss dauerhaft und lückenlos abgedichtet sein, sowohl bei Neubauten als auch bei der Sanierung von Bestandsgebäuden. Bei der Dämmung ist dies besonders bei Dach und oberster Geschossdecke und beim Austausch von Fenstern und Außentüren wichtig. Die Regelungen schränken aber auch  die Auswahl beim Dämmstoff für die Fassade ein. Dazu kommen dann noch Anforderungen im Brandschutz, die den Korridor bei der Auswahl weiter verkleinern. Geregelt wird der Brandschutz in den Bauordnungen der Bundesländer. Je höher das Gebäude, umso strenger die Brandschutzvorschriften. Bei Einfamilienhäusern spielt das bei der Wahl des Dämmstoffes noch keine große Rolle, in mehrgeschossigen Gebäuden kann dies aber bereits das Aus für manche Materialien bedeuten.

Wenn die grundlegenden physikalischen und rechtlichen Fragen geklärt sind, kann man an die konkrete Produktauswahl gehen. Hier spielen vor allem zwei Themen eine Rolle: wie viel möchte ich ausgeben und wie ökologisch soll der Dämmstoff sein? Die Budgetfrage ist da die mit Abstand einfachere, denn die Bewertung der ökologischen Qualität eines Dämmstoffes ist nicht so simpel, wie es auf den ersten Blick vielleicht erscheint. Die Ökobilanz eines Stoffes hängt zum einen vom Energieaufwand in der Herstellung ab. Dabei wird die Energie, die zur Herstellung eines Dämmstoffs aufgewendet wird, mit der eingesparten Energie in der Nutzungsphase verglichen. Zur Überraschung vieler schneiden hier auch konventionelle Dämmstoffe sehr gut ab. Bei der Verarbeitung des Dämmstoffs dürfen die Arbeiter nicht mit Gefahrstoffen belastet werden und die Entsorgung der Materialien muss nach Ausbau oder Abbruch sichergestellt sein. Im besten Fall ist eine Wiederverwertung oder Andersverwertung nach der Nutzungsphase möglich.

Materialien, die Ausdünstungen in den Innenraum abgeben könnten, dürfen die Wohngesundheit nicht beeinträchtigen. Das gilt nicht nur für den Dämmstoff sondern auch für alle anderen Bestandteile des Systems, also auch Folien, Kleber, Anstriche, Ausschäumungen usw. Strenggenommen gilt das aber auch für alle Inneneinrichtungsgegenstände und Einbauten, wie Möbel, Unterhaltungselektronik, Bodenbeläge usw.

Man kann die Latte also recht hoch legen, sollte dann aber nicht zu einseitig überlegen und entscheiden, sondern konsequent in allen Lebensbereichen nachziehen. Denn eines ist bei der Frage „Welcher Dämmstoff ist optimal?“ sicher: Ein Haus nicht ausreichend zu dämmen, ist ganz und gar nicht optimal. Und beim Finden der individuellen Dämmstrategie muss das Rad meist nicht neu erfunden werden, denn es gibt immer jemand, der’s schon mal gut gemacht hat und weiß, wie’s geht.

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1 Kommentar zu „Welcher Dämmstoff ist optimal?“

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  • Josef Kerscher

    3. Januar 2016 (17:00)

    habe vor fast 40 Jahren über meiner Mansardenwohnung schon das Dach isoliert. Habe aus einer Fabrik Styroporreste bekommen (ca 15 cbm für 1 Kasten Bier). Da waren viele Teile mit 10x10x200cm dabei, optimal zum unterschieben unter die Dachziegel. Das war im Sommer, die wohnung war immer zu heiss. Habe zuerst über der Küche angefangen. Hat im Vergleich zum Schlafzimmer mindestens 5 Grad gebracht.In einem anderen Haus habe ich ca 40 cbm Verpackungsstyropoflocken (gebraucht) von oben unter die Dachschräge geshüttet, ohne Dampfsperre, hat 10 Jahre kein Problem gemacht. Aber Vorsicht, Styropor kann Wasser saugen.

    Isoliere gerade wieder ein ausgebautes Dachgeschoss. Oben ist krabbeln auf allen vieren nicht möglich. werde Styroporstreifen mit Stoffstreifen und Montagekleber verbinden damit ich die von oben reinschieben kann und alles da bleibt wo ich das haben will
    Josef

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