Dämmstoffe: Auch in einem WDVS muss es nicht immer Polystyrol sein

25. Februar 2014

Die Auswahl an Dämmstoffen für die Dämmung der Außenwände eines Gebäudes ist riesig. Um einzugrenzen, welche Materialien im konkreten Einzelfall eingesetzt werden können, hilft ein Blick auf die Istsituation.


Handelt es sich bei der Fassade um zweischaliges Mauerwerk? Dann könnte das Auffüllen des Zwischenraumes mit einem Schütt- oder Einblasdämmstoff die richtige Lösung sein. WDVS bieten sich dagegen bei einschaligen verputzten Fassaden an.

Bekannter Schüttdämmstoff für die Dämmung von zweischaligem Mauerwerk sind etwa Blähperlite, bei Einblasdämmungen kommen häufig Stein- oder Glaswolleflocken oder  EPS-Granulat zum Einsatz. Wichtige Eigenschaft von Kerndämmstoffen ist, dass sie hydrophob sind, also wasserabweisend. Möglich ist die Dämmung mit Schütt- oder Einblasdämmstoffen aber auch bei einem einschaligen Mauerwerk. In diesem Fall muss vor der Fassade eine Holzkonstruktion erstellt werden, so dass nach außen geschlossene Gefache entstehen, die mit dem Dämmstoff verfüllt werden können.

Schlauchverlegung für die Einblasdämmung © IsocellKommt die Dämmung mit Einblas- oder Schüttdämmstoffen nicht in Frage, bleiben für die Dämmung einer einschaligen Wand von außen zwei Möglichkeiten: Die Ausführung einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade oder ein Wärmedämmverbundsystem.

Die sogenannte Vorhangfassade, kurz VHF, ist dadurch gekennzeichnet, dass anders als beim WDVS Dämmung und Witterungsschicht konstruktiv voneinander getrennt sind. Zwischen den beiden Schichten sorgt eine Lüftungsebene für den Abtransport von Feuchtigkeit. Diese ist nötig, da die Witterungsschicht nicht zwingend regendicht ausgeführt ist. Außerdem dient die Belüftung der Abführung von Wasserdampf, der durch die Wandkonstruktion nach außen diffundiert. Ohne Hinterlüftung würde dieser hinter der oftmals dampfdichteren Außenverkleidung als Tauwasser auskondensieren.

Die Witterungsschicht einer Vorhangfassade wird von einer Unterkonstruktion getragen, die durch die Dämmschicht ins Mauerwerk reicht. Daher ist es besonders wichtig, dass die Unterkonstruktion einen möglichst geringen Wärmebrückeneffekt hat. Zum Einsatz kommen meist Holz- oder bei höheren Gebäuden aus Brandschutzgründen auch Aluminiumkonstruktionen. Denkbar sind aber auch Edelstahlanker. Zu beachten ist, dass sämtliche Komponenten gegen Feuchtigkeit geschützt, Holzkonstruktionen also mit Holzschutzmittel versehen sein müssen. Als Dämmstoff wird bei VHF meist Mineralfaser, also Glas- oder Steinwolle eingesetzt, möglich sind aber auch Hartschaumplatten aus Polyurethan oder Holzfaserdämmplatten.

Beispiel: Vorhangfassade mit Holzunterkonstruktion auf Aluminium-Abstandhalter. © IWUIst die Dämmung angebracht, wird an der Unterkonstruktion die Witterungsschicht befestigt, sie bildet den Vorhang. Hier kann eine große Palette an Materialien verwendet werden – von Schiefer über Faserzement- und Steinplatten bis hin zu Kupfer oder Holz. In den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten liegt einer der großen Vorteile von VHF. Je nach Material ist eine solche Fassade jedoch vergleichsweise teuer. Laut dem Institut Wohnen und Umwelt, das für das hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Energiesparinformation zum Thema Vorhangfassaden erstellt hat, entfallen auf die Dämmung etwa 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten einer Vorhangfassade.

Ein Wärmedämmverbundsystem kann nahezu an jeder Wand zum Einsatz kommen. Der technische Aufbau wurde bereits an anderer Stelle auf dieser Webseite erläutert, daher hier nur kurz: Ein WDVS besteht aus Dämmstoff, Armierungsgewebe und Außenputz. Der Dämmstoff wird direkt auf die Wand geklebt oder/und gedübelt. In vielen Veröffentlichungen entsteht der Eindruck, dass in einem WDVS stets Polystyrol verbaut wird. Tatsächlich kommen in Wärmedämmverbundsystemen aber ganz unterschiedliche Dämmstoffe zum Einsatz. Dämmplatten aus expandiertem Polystyrol kommen häufig zum Einsatz, weil sie vergleichsweise günstig sind. Allerdings eigenen sich diese eher starren Dämmplatten nicht, wenn die bestehende Fassade viele Unebenheiten aufweist. Denn für die Befestigung und Standsicherheit eines WDVS ist es entscheidend, einen ausreichenden Haftverbund zwischen Untergrund und Dämmplatten herzustellen.

Dämmplatten aus Mineralfasern sind etwas beweglicher und zudem nicht-brennbar, weshalb sie bei WDVS mit Polystyrol oder Hartschaumplatten auch als sogenannte Brandriegel eingesetzt werden. Dafür sind sie teurer. Auch Holzfaserdämmplatten können als Dämmschicht in einem WDVS eingesetzt werden. Als Vorteil dieser Dämmstoffe wird oft die Möglichkeit angeführt, diffusionsoffene Wandaufbauten umzusetzen. Allerdings sind Dämmplatten aus Holzfasern in der Regel als normal entflammbar eingestuft und dürfen daher nicht in größeren Gebäuden eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass sich die verschiedenen Dämmstoffe auch im Hinblick auf ihre Dämmeigenschaften unterscheiden.

Folgende Kriterien sind – abgesehen von der Beschaffenheit und der damit verbundenen Einsetzbarkeit in bestimmten Fassadensituationen – für die Auswahl eines Dämmstoffes wichtig:

    • Die Wärmeleitfähigkeit. Sie gibt an, wie viel Wärme durch den Stoff entweichen kann. Je niedriger der Wert, desto besser wird bei gleicher Dämmstoffdicke gedämmt.
    • Die Wärmespeicherkapazität: Eine hohe Wärmekapazität bedeutet, dass ein Dämmstoff viel Wärme speichern kann und dass es lange dauert, bis ein Dämmstoff die gespeicherte Wärme weitergibt. Die Wärmespeicherfähigkeit eines Dämmstoffes ist ein wichtiger Faktor für den sommerlichen Wärmeschutz. Zudem bilden sich auf einem Dämmstoff, der viel Wärme speichern kann, nicht so schnell Algen.
    • Der Wasserdampfdiffusionswiderstand. Er zeigt an, in welchem Maß ein Dämmstoff die Ausbreitung (Diffusion) von Wasserdampf verhindert. Die entsprechende Kennzahl µ gibt an, um welchen Faktor das Material dichter ist als eine gleich dicke Luftschicht. Je größer die Zahl, desto weniger Dampf lässt der Dämmstoff durch. Bei Außenwänden sollte der Widerstand der einzelnen Schichten von innen nach außen abnehmen. Eine Dampfsperre innen verhindert, dass Feuchtigkeit aus den Wohnräumen in das Dämmmaterial eindringt. Dadurch wird vermieden, dass das Dämmmaterial durchfeuchtet. Denn dann würde es seine Dämmeigenschaft verlieren und möglicherweise schimmeln.
    • Die Baustoffklasse gibt Auskunft über die Brandschutzeigenschaften eines Dämmstoffes.

 

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Kommentare  

Silke Thole Montag, 18. Februar 2019 10:54
zitiere Arnold Drewer:
Im Artikel sind ein paar gravierende Fehler enthalten. Wieso fragen Sie mich nicht an?

Hallo Herr Drewer.
Wir werden den Beitrag zeitnah überarbeiten. Ich komme dann auf Sie zu.
Viele Grüße, Silke Thole
Antworten
Arnold Drewer Donnerstag, 14. Februar 2019 13:44
Im Artikel sind ein paar gravierende Fehler enthalten. Wieso fragen Sie mich nicht an?
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