Ronny Meyer

WDR-Dämmkritiker Könnes empfiehlt versehentlich Fassadendämmung

Ronny Meyer, 20. März 2017

WDR-Dämmkritiker Dieter Könnes empfiehlt im WDR versehentlich die Fassadendämmung – und hat es vermutlich nicht einmal gemerkt. Was genau an der Sendung „Servicezeit“ vom 17.03.2017 der Service war, blieb bis 45 Sekunden vor Schluss ein Geheimnis. Es wurden mehrere Jahre alte Interviews und – mangels neuer spektakulärer Brände – altbekannte Brandereignisse erneut gezeigt. Okay: Das kannte man schon. Wo war die Botschaft?

Erst am Schluss, in den letzten 45 Sekunden, gab Dieter Könnes in seiner Abmoderation wichtige Informationen (O-Ton, Timecode 28:34): „Zum Glück sind die Brandschutzvorschriften bei der Fassadendämmung im vergangenen Jahr noch einmal verschärft worden und jetzt sind auch mehr Brandriegel notwendig. Laut Experten ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Hier könnte man noch ergänzen, dass der auch schon früher sehr, sehr gute Brandschutz inzwischen nochmals so weit verbessert wurde, dass man kaum noch neue Brände findet. Man könnte jetzt als Journalist des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf das Kieler Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) und deren „Brandursachenstatistik 2015“ hinweisen.


Demnach ist eine schadhafte Elektrik, vom uralten Stromkabel bis zum defekten Elektrogerät, die Brandursache Nummer eins. In der IFS-Statistik ist von Wärmedämmung nichts zu lesen. Zu Recht. Denn die Anzahl der Brände, in denen die Dämmung eine ursächliche Rolle spielt, ist kaum messbar. Weil, wie Könnes richtig sagt „die Brandschutzvorschriften weiter verschärft wurden“.

Das kann man in einer Sendung, die "Servicezeit" heißt, ruhig zweimal sagen und dann dem Zuschauer die Angst vor brennenden Fassaden nehmen: „Denn inzwischen“ – und das könnte der Schlusssatz zum Thema „Brand“ sein – „ist die Fassadendämmung das vermutlich am besten brandgeschützte Produkt, das es gibt.“ Man könnte dann noch ein kleines Loblied auf unsere Entwickler und Ingenieure anstimmen, die in der Tat Großartiges leisten, wenn es kaum noch Brandereignisse rund um die Dämmung gibt – an dieser Stelle wenigstens von mir ein großes Dankeschön an die Tüftler und Erfinder.


Medienprofis wissen, dass ein Film im Schnitt entsteht. Interessantes Experiment: Lassen Sie uns aus den Sequenzen vom 17.03.2017 einen anderen Film schneiden. Lesen Sie mal, was man aus der Könnes-Sendung vom 17.03.2017 hätte machen können:
Ich würde beispielsweise den Film mit dem letzten Satz der Abmoderation von Dieter Könnes beginnen. O-Ton Könnes bei Minute 28:46: „Was mache ich mit meinem alten Haus, wenn ich energetisch sanieren möchte? Es gibt eine Menge Möglichkeiten, die sich am Ende auch für Sie rechnen, liebe Zuschauer, zum Beispiel, wenn Sie das Dach dämmen,  die alte Heizungsanlage austauschen oder alte, undichte Fenster erneuern. Wenn Sie dann sogar noch Geld über haben, dann können Sie auch die Fassade dämmen.“ Das hat Dieter Könnes wirklich gesagt: „Dann  können Sie auch die Fassade dämmen.“


Leider endet Dieter Könnes seine Sendung genau an dem Punkt, an dem sie eigentlich beginnen müsste.
Ich würde jetzt einen Energieberater interviewen, der die Möglichkeiten der KfW-Förderung bei einer vollständigen Modernisierung anspricht: „Bis zu 30.000 Euro gibt es als geschenkten Zuschuss von der KfW-Förderbank: Allein damit kann man die Fassadendämmung bezahlen.“ Das Geld, das am Ende laut Könnes übrig sein müsste, könnten etwa die Förderzuschüsse sein. Wie gesagt: 30.000 Euro nur von der KfW. Dazu kommen oft noch kommunale Zuschüsse. Doch das erwähnt Könnes mit keiner Silbe. Servicezeit?


Hier würde jetzt das Interview mit Bauministerin Dr. Barbara Hendricks gut passen (Minute 8:14): Mit der Fassadendämmung erreicht man eine Verschönerung von außen – Zitat: „der Effekt rechnet sich oft.“ Der Energieberater könnte danach ergänzen: „Die Wirtschaftlichkeit der Dämmung hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: Vom Gebäudealter, von der Gebäudegeometrie und ob die Dämmung bei einer ohnehin fälligen Sanierung zum Einsatz kommt.“
Stichwort Fenster – hier könnte aus der „Servicezeit“ eine echte „Servicezeit“ werden, wenn auf die Wechselwirkung zwischen dem U-Wert der neuen Fenster und dem U-Wert der Fassade hingewiesen wird: „Bei Häusern, die älter Baujahr 1980 sind, muss in aller Regel auch die Fassade gedämmt werden, damit es keinen Schimmel gibt. Denn: Richtig gedämmte Wände vermeiden Schimmel!“


Dann wäre es Zeit, den Dämm-Kritiker und Bauphysiker Jens Fehrenberg ins Spiel zu bringen. Sein O-Ton bei Minute 12:55: „Also Wärmedämmung verhindert nicht das Durchtreten von Energie, sondern verlangsamt das Ganze nur.“ Da hat Professor Fehrenberg recht! Mit anderen Worten: Es geht darum, dass durch Dämmung die Geschwindigkeit der Wärme durch ein Bauteil (Dach, Fassade, Kellerwand) verlangsamt wird.


Jetzt kam in der Original-Sendung Könnes falsche Schlussfolgerung bei Minute 13:01: „Aber das ist doch der Hauptgrund, warum die meisten Leute dämmen möchten, weil sie sagen ,ich spare dadurch Geld‘.“ Fehrenbergs Antwort bei Minute 13:07: „Ja, das ist ja ein verbreiteter Irrtum, dass automatisch durch Wärmedämmung auch Energie eingespart wird.“ Hier müsste die WDR-Redaktion laut STOPP! rufen, weil diese Stelle absolut unlogisch ist. So müsste es nach dem ersten Fehrenberg-Zitat dann richtigerweise weitergehen: Dieter Könnes: „Wenn die Energie, in dem Fall der Wärmefluss, von innen nach außen verlangsamt wird – wie Sie sagen – dann geht ja, pro Zeiteinheit – nennen wir diese Einheit ,Heizperiode‘ –  weniger Energie durch die Konstruktion hindurch.“


Wenn dann Fehrenberg kontert, dass es ein „verbreiteter Irrtum sei …“ könnte der Journalist den Dämmkritiker ins Verhör nehmen: „Sie sagen, es geht mit Dämmung weniger Energie verloren, behaupten aber, dennoch man spart nichts? Das müssen Sie mir mal genauer erklären, Herr Professor ... oder sind Sie etwa ein Lobbyist der Energiewirtschaft?“


Fazit: Die Servicezeit vom 17.03.2017 ist einfach nur ärgerlich. Es scheint, als wolle sich hier Dieter Könnes mit altem Filmmaterial erneut irgendwie als Retter der Bürger aufspielen. Er liefert aus Sicht des Fachmanns einen schlampigen Zusammenschnitt alter Aufnahmen und zeigt, dass er das Thema „Dämmung“ immer noch nicht verstanden hat. Denn nach 28 warnenden Minuten hätte die Schlussfolgerung aus der Sicht von Kritiker Könnes lauten müssen: „Finger weg von der Dämmung“. Doch Könnes empfiehlt am Schluss vernünftigerweise die Dämmung. Aha!

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Kommentare  

Karnasch Mittwoch, 15. Mai 2019 13:17
Wurde der Dämmstoff Polystyrol (Styropor) als Brandursache benannt? Wurde nicht eher gezeigt dass es ein guter Brandbeschleuniger ist? Dass Styropor in Deutschland als schwer entflammbar deklariert wird damit es als Fassadendämmstoff eingesetzt werden darf, finde ich nur zynisch. Die Änderung mit den zusätzlichen Brandriegeln ist in meinen Augen fragwürdig. Mehr Brandriegel, die kaum eine Wirkung zeigen und die nach Einbau nicht kontrolliert werden können. Da wird doch etwas künstlich am leben gehalten, ohne an den Fehlern der Vergangenheit zu rütteln.
Abgesehen davon, hat der Sondermüll Styropor an der Hauswand einen ganzen Sack voll an Nachteilen. Es gibt da wesentlich sinnvollere Alternativen. Und dann gibt es noch einige die sagen, dass Fassadendämmung generell wirtschaftlich schön gerechnet wird und bauphysiologische Nachteile bringt.
Dass Könnes generell gegen Fassadendämmung sei habe ich gar nicht herausgehört, also gibt es da auch keinen Widerspruch.
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bhb Sonntag, 08. Oktober 2017 00:35
Schön, dass Sie auf Ihre Nähe zur Dämmstoffindustrie hinweisen. Man kann so die Lobeshymnen besser einordnen.
Antworten
WDR-Dämmkritiker Könnes empfiehlt versehentlich Fassadendämmung | Ronny Meyer Donnerstag, 23. März 2017 11:46
[…] Auch Könnes' wackerer Weggefährte Prof. Jens Fehrenberg kam erneut zu Wort. Doch diesmal hatte man – vielleicht unter Zeitdruck? – das alte Interview so zusammengeschnitten, dass der aufmerksame Fernsehzuschauer die fehlende Logik in Fehrenbergs Argumentation und Könnes' falsche Schlussfolgerung daraus erkannte. Lesen Sie hierzu den Blogbeitrag unter wdvs.enbausa.de. […]
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