Hans-Gerd Heye

Wie erhält man umweltschonend „saubere“ Fassaden?

Hans-Gerd Heye, 06. April 2016

"Die Eingangsfassade ist die Visitenkarte eines Hauses", so lautet ein bekannter Spruch unter Hausbesitzern. Während ein mangelhafter Wärmeschutz ihr in der Regel nicht anzusehen ist, beeinträchtigen Schmutzablagerungen und Verfärbungen das Gesamterscheinungsbild eines Gebäudes.

Eine entsprechend "unsaubere" Fassade empfinden deshalb viele Hausbesitzer als optischen Makel.

Sicherlich ist der Anspruch an eine saubere Außenwand dabei von Mensch zu Mensch verschieden. Dass eine Fassadenendbeschichtung, ob nun Putz, Anstrich oder Verkleidung, mit der Zeit aufgrund von Witterungs- und Umwelteinflüssen ihren "Glanz" verliert, versteht sich von selbst. Wie unsere Haut ist sie als Teil der Gebäudehülle durch natürlichen Substanzverlust einem Alterungsprozess ausgesetzt.

So wird beispielsweise eine Putzoberfläche mit der Zeit zunehmend rauer und von haarfeinen Rissen durchzogen. Dadurch ist außer dem Eindringen von Feuchtigkeit im Laufe der Zeit vermehrt mit Schmutzablagerungen auf der Oberfläche zu rechnen.

Noch ärgerlicher als Schmutz finden Hausbesitzer die Ansiedlung von Mikroorganismen wie Algen und Pilze auf der Fassade. Die eine grünliche Verfärbung der Wandoberfläche verursachenden Grünalgen können praktisch auf fast allen Untergründen gedeihen. Sie "leben" von Wasser und Photosynthese und bilden dabei ein gallertartiges Milieu, auf dem sich dann auch Pilze "wohlfühlen".

Für den Befall sind neben einem hohen Feuchtigkeits- und Nährstoffangebot fördernde Umwelteinflüsse wie die Nähe zu Bäumen und Gewässern verantwortlich. Auch der in den letzten zwei Jahrzehnten konstatierte Klimawandel mit milderen Wintern und feuchtwarmen Sommern begünstigt das Auftreten von Algen und Pilzen.

Angesichts des zunehmenden Befallrisikos ist es für den Hausbesitzer sinnvoll, sich schon in der Planungsphase eines Neubaus oder einer Fassadensanierung mit diesem Problem zu beschäftigen. Die übliche vorbeugende Maßnahme stellt die Verwendung von biozidhaltigen Endbeschichtungen dar.

Biozide behindern durch ihre toxische Wirkung das Ansiedeln und Wachstum von Algen und Pilzen. Sind die enthaltenen Biozide mit einem Bindemittel umhüllt und somit "verkapselt", werden sie auch nur in geringem Umfang durch Niederschläge aus einer Fassade ausgewaschen. Dies ergab ein entsprechendes Forschungsprojekt des renommierten Fraunhofer-Instituts.

Trotzdem ist die Skepsis gegenüber Anstrichen mit bioziden Inhaltsstoffen gerechtfertigt, denn sie gefährden auch in kleinen Mengen schon Gesundheit und Umwelt. Zudem ist ihre Schutzwirkung zeitlich begrenzt. So sieht es auch das Umweltbundesamt. Es bietet Hausbesitzern unter der Internetadresse umweltbundesamt.de/themen/strahlend-saubere-hausfassaden-ohne-giftige-biozide umfangreiche Informationen zu dem Thema sowie Alternativen an.

Durch die Verlinkung zu Merkblättern hilft die Website zudem auch Planern und Verarbeitern, die richtigen biozidfreien Maßnahmen gegen Algen- und Pilzbildung zu treffen.

Es geht nämlich auch ohne Biozide, wenn man die Risikofaktoren, minimiert. Eine zentrale Voraussetzung ist, die dauerhafte Feuchte auf der Wandoberfläche zu verhindern. Dafür Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Neben konstruktiven Maßnahmen wie weite Dachüberstände empfehlen Baufachleute oft, statt einer hydrophoben, bioziden Endbeschichtung austrocknende hydroaktive Putze zu verwenden. Hierbei wird Feuchtigkeit aus Schlagregen oder Tauwasser von einem kapillaraktiven Putz aufgesaugt sowie zwischengespeichert und in regen- und taufreien Perioden des Tages durch Verdunstung wieder abgegeben.

Sehr interessant ist auch eine relativ neue Farbenentwicklung, die im Gegensatz dazu auf hohe Wasserabweisung setzt. Dabei werden Erkenntnisse aus der Biologie genutzt und auf die (Farben-)Technik übertragen. Diese noch junge Wissenschaft wird als Bionik bezeichnet. Die notwendige Inspiration gab in diesem Fall ein kleiner Käfer der Namib-Wüste, der Tauwasser durch seinen mikrostrukturierten Rückenpanzer direkt in sein Maul rinnen lässt. Die auf Mikrostrukturen aufbauende Oberfläche der neuen Farbe reagiert ähnlich. Sie erreicht, dass sich Regen und insbesondere Tau nicht ansammeln können sondern schnell abgeführt werden. So bleibt die Fassadenoberfläche dauerhaft trocken und sauber.

Und was macht der Hausbesitzer, wenn die Fassade schon "grünt"? Wer eine Verfärbung nicht akzeptieren will, muss natürlich erst einmal die befallene Fassade gründlich reinigen. Ist der Befall relativ frisch, lässt sich der Algen- oder Pilzbefall noch relativ einfach nass abwischen oder abbürsten. Bei einer intensiven und schon länger vorhandenen Vergrünung erfolgt die Reinigung am effektivsten durch eine renommierte Fachfirma. Denn der Umgang mit den diversen Reinigungsgeräten erfordert Erfahrung. So darf der Algenbefall z. B. bei einem Putz bei der Reinigung mit Hochdruckreinigern nicht in die Kapillaren der Beschichtung hineingedrückt werden. Außerdem muss die gereinigte Wandfläche vor der Grundierung und dem folgenden Schlussanstrich fachgerecht desinfiziert werden. Die Desinfektion ist dann allerdings wieder mit dem Einsatz von Bioziden verbunden.

Festzuhalten bleibt, dass trotz der Fortschritte bei der Entwicklung biozidfreier Beschichtungen zur Vermeidung von Grünbildung ein absoluter Schutz nicht garantiert werden kann. Mein Ratschlag an Hausbesitzer lautet, eine Vergrünung nicht übermäßig zu dramatisieren. Sie sieht nicht schön aus, beeinträchtigt aber nicht die bauphysikalische Funktionsfähigkeit der Wand.

 

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Kommentare  

Werner Henke Sonntag, 08. Mai 2016 23:41
Bei einer Veralgung von einer gepflasterten Bodenfläche wird seltsamerweise wenig bis gar nichts in den Medien dramatisiert. Ich frage mich warum dies so ist und niemand über die Umweltgefährtung durch Algenentferner in den Medien diskutiert? Das Algenmittel umweltgefährlich sein können wenn Sie ins ungehindert ins Grundwasser gelangen ist ja auch hier schon bekannt. Der am meist verwendete Wirkstoff in diesen Mitteln heißt Benzalkomoniumchlorid. So nun meine Frage: Was glauben Sie wieviel Algenvernichter im Jahr für Wege- Terrassen- und Hofflächen eingesetzt wird. Es gibt auch andere Anwendungen z. B. im Haushaltsbereich wo dieser Stoff unter anderem in großen Mengen für Desinfektionsreiniger zur Anwendung kommt. Der Bekannteste Reiniger fängt mit S..... an und hört mit - tan auf! Nur schreit da kein ach so schlauer Ökohansi . Es gibt auch viele Leute die kippen das Zeug in die Waschmaschiene damit alles schön steril wird!!! Oder reiben die Duschtasse zur Desinfektion ein ( gegen Viren die Warzen verursachen z.B.). ------------------------------------------------ ------- Ein WDV-S was bereits veralgt ist kann man genauso wie eine Bodenfläche mit einem handelsüblichen Algenentferner der 1-5 % Benzalkomoniumchloridlösung enthält auf einfachste Weise wieder reingen. Vorraussetzung ist eine Einwirkdauer von 1- 3 Tagen und eine Mindesttemperatur von 10C° die nicht unterschritten werden sollte. Weiterhin sollte man dies nur bei trockenem Wetter machen um ein abspülen und den Eintrag ins Grundwasser zu vermeiden. Abgebaut wird der Stoff durch UV- Strahlung. Habe damit bereits mehrere Fassaden erfolgreich gereinigt. Eine Fassade steht bereits seit 2,5 Jahren ohne erneuten Befall.
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