Hans-Gerd Heye

Nicht leichtfertig auf WDVS verzichten

Hans-Gerd Heye, 26. November 2012

Sind Sie für Wärmedämmverbundsysteme – ja oder nein? Solch eine „Gewissensentscheidung“ könnte zumindest derjenige als Hintergrund vermuten, der die öffentliche Diskussion über den Sinn des Einsatzes von WDVS aufmerksam verfolgt.

Wer zum Thema WDVS zum Beispiel in einige Internet-Foren schaut, kann über so manchen Beitrag nur verwundert den Kopf schütteln. Da wird teilweise mit merkwürdigen Behauptungen der bauliche Wärmeschutz mit Wärmedämmverbundsystemen geradezu "verteufelt". Tatsache ist und bleibt: Ihre Verwendung ist nachweisbar im Zusammenwirken mit anderen Maßnahmen eine effektive Möglichkeit beim Neubau und speziell bei der Gebäudesanierung, um Heizenergie einzusparen.

Warum ist der bauliche Wärmeschutz von Gebäuden denn so wichtig? Doch nicht nur, weil der Gebäudenutzer die Heizkosten reduziert, sondern auch, weil er als ein wichtiges Element des Klimaschutzes – die Betonung liegt auf "ein" – uns alle angeht. Mittlerweile ist der Menschheit bewusst, welchen verheerenden Einfluss der zügellose Verbrauch fossiler Energieträger auf das weltweite Klima ausübt. Neben der durch ihre Verbrennung zunehmenden globalen Klimaerwärmung besteht zudem die Notwendigkeit, die begrenzt vorhandenen Energieressourcen wie Erdöl, Gas und Kohle sparsamer zu nutzen.



Ein extremer Energieschlucker sind bekanntermaßen nicht ausreichend wärmegedämmte Gebäude. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten, dem entgegen zu wirken. Einerseits sind für ihre Energieversorgung möglichst erneuerbare Energien wie Sonnenenergie oder Energie aus Erdwärme zu nutzen und andererseits ihr Energiebedarf an sich zu minimieren. Letzteres funktioniert nicht allein mit moderner energieschonender Heiz- und Klimatechnik.

Nach den Bestimmungen der Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV) sind deshalb in Deutschland sowohl für Neubauten wie bei Sanierungen unter anderem gesetzlich festgelegte Mindestanforderungen an den baulichen Wärmeschutz der Gebäudehülle einzuhalten. Wer beim Bauen oder Sanieren nicht auf ausreichenden baulichen Wärmeschutz achtet, verstößt gegen gesetzliche Regelungen. Und seine Bedeutung wird in der Zukunft steigen, denn die kommende Energieeinsparverordnung 2013 mit erhöhten Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz steht schon vor der Tür.

Ein bestimmter Wärmeschutz ist also Pflicht und nicht durch andere Maßnahmen ersetzbar. Oder sind die namhaften Institutionen und Bauexperten, die an der Festlegung der einzelnen Bestimmungen der Energieeinsparverordnung mitwirken, alle auf dem Holzweg, wenn sie hohen baulichen Wärmeschutz fordern?

Gehören sie womöglich zu einer geheimen WDVS-Lobby? Logische Antwort: nein, natürlich nicht. Wärmeschutz ist einfach nur ein entscheidender ökonomischer wie ökologischer Faktor und der Einsatz von Wärmedämm-Verbundsystemen ein seit rund 50 Jahren bewährtes Wärmeschutzverfahren.

Ausschlaggebend für den Wärmeschutz und damit den Jahresheizenergiebedarf eines Gebäudes ist der Wärmedurchgangswert der Gebäudehülle, also neben dem Dach insbesondere die Außenwände inklusive Gebäudeöffnungen. Je niedriger dieser Wert ist, desto besser ist der Wärmeschutz – bei Altbauten mit ungenügender Wärmedämmung der Fassaden fällt es (noch) zwangsläufig relativ hoch aus. Hier lässt sich der Wärmeschutz durch Einsatz von WDVS deshalb besonders effizient verbessern.

Ein Beispiel: Ein ungedämmtes Kalksandsteinmauerwerk aus den 60er Jahren dämmt schlecht – bei 24 Zentimeter dicken Wänden liegt der Dämmwert (U-Wert) jenseits von 2,5 W/m²K. Mit einer nur 16 Zentimeter dicken Wärmedämmung – Wärmeleitfähigkeit 0,032 W/mK – sinkt dieser Wert auf etwa noch 0,19 W/m²K (und erfüllt so locker den nach EnEV 2009 maximal zulässigen U-Wert bei einer nachträglichen Wärmedämmung von 0,24 W/m²K).

Dass durch diesen sehr deutlich verbesserten Wärmeschutz der Öl- oder Gasverbrauch massiv sinkt, leuchtet sofort ein – und zwar unabhängig vom vorhandenen Heizsystem, von den tatsächlichen Außentemperaturen und vom individuellen Heizverhalten.

Wenn Sie selbst ermitteln wollen, wo ihr aktueller U-Wert liegt: Im Internet finden Sie eine Reihe von Planungshilfen wie den Rechner bei www.u-wert.net.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind die Wärmeleitwerte von WDVS durch Weiterentwicklung der Dämmstoffe immer weiter gesunken. Eine niedrige Wärmeleitfähigkeit ist allerdings nicht das einzige ausschlaggebende Auswahlkriterium. Welches WDV-System für ein Gebäude die beste Lösung ist, hängt von mehreren Faktoren ab.

Neben der gewünschten Größe der Wärmedämmung spielen zum Beispiel auch statische, schall- und brandschutztechnische Aspekte und die geforderte Witterungsbeständigkeit eine entscheidende Rolle. Bei der Festlegung von System und Dämmschichtdicke sollte der Bauherr oder sanierungswillige Gebäudebesitzer deshalb immer die Beratung eines Baufachmanns in Anspruch nehmen.

Für ihre Verwendung in WDVS müssen Dämmstoffe aufgrund der Witterungseinflüsse höhere Ansprüche erfüllen als bei einer Innendämmung. Normal entflammbare Baustoffe und Dämmstoffe mit hoher Wasseraufnahmefähigkeit sind zum Beispiel nicht geeignet.

Jedes WDVS wird mit allen seinen Systemkomponenten gemäß der europäischen Prüfleitlinie ETAG 004 untersucht und erst nach erfolgreicher Prüfung für den Vertrieb zugelassen. Für ihren Einsatz bedarf es außerdem in Deutschland einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik. Darin sind nicht nur die Details der Ausführung festgelegt, sondern auch die einzelnen geprüften Systemkomponenten exakt beschrieben. Ein System-Mix ist nicht erlaubt.

Natürlich gibt es insbesondere beim Wärmeschutz von Neubauten Alternativen. Das würden auch die WDVS-Hersteller nie ernsthaft bestreiten. Die Mauerwerksindustrie schläft nicht und hat schon aus Wettbewerbsgründen beim Wärmeschutz ihre Mauersteine entsprechend weiterentwickelt. Einige oft ausschlaggebende Punkte von WDVS sind aber nicht „weg zu diskutieren“:

Mit WDVS sind besonders schlanke Außenwandkonstruktionen möglich. Sie führen platzsparend zu einer optimalen Ausnutzung der Grundfläche.

Ein WDVS erlaubt hohe planerische Flexibilität, weil es bei allen gängigen Wandbaustoffen und in allen Außenwandzonen (z. B. auch an der Kelleraußenwand) maßgeschneiderten Wärme-, Brand-, Feuchte- und Witterungsschutz bietet.

Sogenannte „schubweiche“ Dämmstoffe verringern Spannungen im tragenden Außenmauerwerk und reduzieren dadurch auch die Gefahr der Rissbildung im Außenputz.

Fazit: Auf WDVS sollte man nicht aus Unkenntnis oder aufgrund falscher Informationen leichtfertig verzichten.

Mein persönlicher Ratschlag lautet: Lassen Sie sich nicht durch unsachliche Meldungen über mangelhafte Dauerhaftigkeit oder ungenügenden Brandschutz von WDVS irritieren, sondern nutzen Sie ihren gesunden Menschenverstand und den Sachverstand von Baufachleuten. Bei einer objektiven, sachlichen Beratung, zum Beispiel durch einen Energieberater, lässt sich schnell feststellen, dass speziell bei einer Fassadensanierung sowohl aus ökonomischen und ökologischen wie auch bauphysikalischen Gründen oft kein Weg an WDVS vorbei führt.

 

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