Hans-Gerd Heye

Vorsicht, beim Dämmen ist vieles zu beachten

Hans-Gerd Heye, 04. Februar 2014

Mensch, ist das draußen wieder kalt. Wer es jetzt in der Wohnung mollig warm haben will, muss insbesondere in Altbauten mit unzureichender Wärmedämmung die Heizung oft voll „aufdrehen“. Und das geht bei steigenden Preisen für Heizenergie ganz schön an den Geldbeutel.

Spätestens im Winter wird dem Althausbesitzer auch ohne ökologisches Bewusstsein verdeutlicht, dass ein effektiver baulicher Wärmeschutz auch nachträglich eingebaut sinnvoll sein kann.

Aus bauphysikalischer Sicht ist dabei im Normalfall die Außendämmung mit einem auf die Fassade aufgebrachten Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) einer Innendämmung vorzuziehen. Sie hat zudem den Vorteil, dass dabei gleich auch über die Jahre entstandene optische Mängel der alten Fassade beseitigt und der Witterungsschutz verbessert werden können.

Aber aufgepasst, liebe Blogleser, die Umsetzung hat ihre Tücken. Wie ich und meine Mitautoren in unseren Kommentaren immer wieder betonen, erzielt ein WDVS nur energieeffiziente und damit wirtschaftliche Vorteile, wenn es in Verbindung mit anderen Heizenergie einsparenden Maßnahmen fachgerecht geplant und sorgfältig ausgeführt wird. So ist es z. B. logisch, dass auch das Dach und insbesondere die Fenster als die „Energielöcher“ der Fassade über einen ausreichenden Wärmeschutz verfügen müssen.

Die Hauptprobleme sind in erster Linie nicht handwerklicher Art, weil die WDV-Systeme der führenden Hersteller alle sehr verarbeitungsfreundlich sind, sondern die vielen Faktoren für eine fachlich korrekt geplantes und montiertes WDVS. Die Herausforderungen in der Planungsphase betreffen dabei nicht nur die Auswahl des optimalen Systems und der Dämmdicke. So muss unbedingt eine sorgfältige Überprüfung des Untergrundes erfolgen. Eine Prüfung per Augenschein gibt – zumindest dem Fachmann – schon oft Auskunft darüber, ob die Außenwand ausreichend trocken und der Untergrund ohne Vorbehandlung für ein WDVS geeignet ist.

Mit der Kratz- oder Ritzprobe mit einem harten, spitzen Gegenstand prüft der Profi zum Beispiel Festigkeit und Tragfähigkeit. Durch Wischen mit der Hand über die Wandoberfläche sind kreidende Altbeschichtungen zu erkennen. Bei beschichteten Untergründen empfiehlt sich zur Sicherheit auch eine Abreißprobe an einem probeweise aufgeklebten und verspachtelten System-Armierungsgewebe. Beim Abreißen nach dem Aushärten darf sich nur die Bewehrung aus dem Unterputz lösen.

„Muss dass denn in diesem Umfang wirklich sein“, wird sich vielleicht der eine oder andere Blogleser fragen. Meine Antwort ist ein eindeutiges „ja“, denn die auf die Fassade einwirkenden Windkräfte dürfen auf keinen Fall unterschätzt werden. Ich bin nämlich sicher, dass vom Windsog abgerissene Dämmplatten keinen Hausbesitzer „kalt“ lassen.

Die Bezeichnung „Wärmedämm-Verbundsystem“ sagt es eigentlich schon aus. Es handelt sich bei WDVS immer um ein System aus Kleber, Dämmstoff und Endbeschichtung, dass nach den objektspezifischen bauphysikalischen Anforderungen noch durch weitere, abgestimmte Komponenten ergänzt wird. Der Nutzer hat sich bei seiner Verwendung dementsprechend auch systemgerecht zu verhalten. So müssen die eingesetzten System-Komponenten alle von einem WDVS-Hersteller stammen. Ansonsten verfällt seine Gewährleistung.

Zudem sind die per Internet über die jeweilige Hersteller-Homepage zügig zu recherchierenden Verarbeitungs-hinweise unbedingt zu berücksichtigen. Diese Informationspflicht gilt übrigens auch für ausführende, mit dem System nicht vertraute Handwerker, da trotz systemübergreifend ähnlicher Verarbeitungsschritte und -hilfen herstellerspezifische Anforderungen an die System-Komponenten und ihre exakte Verwendung gestellt werden.

Eine zentrale Herausforderung ist auch die weitgehende Vermeidung von Wärmebrücken. Sie wirken sich direkt auf den baulichen Wärmeschutz aus. So kann z. B. durch mangelhaft ausgeführte Dämm-Anschlussarbeiten an den Fenstern der Heizenergiebedarf trotz aufwändig gedämmter Fassade weiterhin hoch ausfallen. Die errechnete Wirtschaftlichkeit der WDVS durch zukünftig geringere Heizkosten ist dann für den Bauherrn nicht mehr gegeben.

Alle zu berücksichtigenden Faktoren wie u. a Vorgaben der Energieeinsparverordnung aufzuzählen, ist nicht mein Anliegen und würde den Rahmen meines Kommentars sprengen. Deshalb als Fazit: die WDVS-Planung und ihre Ausführung setzt spezielles Fachwissen voraus und erfordert bei der WDVS-Ausführung den Fachmann. Früher war man da bezüglich der Ausführung von wärmedämmenden Maßnahmen deutlich naiver.

So kann ich mich noch daran erinnern, dass sich mein Vater Mitte der 1980er Jahre im Baumarkt Dämmplatten besorgte und sozusagen „ohne System“ die Außenwände eines Anbaus damit dämmte. Der dadurch angerichtete Schaden ließ nicht lange auf sich warten. Die verputzten Dämmplatten waren schon nach relativ kurzer Zeit durch eindringende Feuchte vergammelt und die ebenfalls durchfeuchteten Wände mussten bei der fälligen Sanierung erst einmal kostenträchtig trockengelegt werden.

Wer als Bauherr meint, bei der Planung und WDVS-Montage die Kosten für den Bauhandwerker einsparen zu können, wird dafür nach Erfahrungen der Praxis oft bestraft. Deshalb mein Rat: Selbst bei sehr gutem Bau-Know-how und handwerklichen Fähigkeiten nicht gleich loslegen, sondern sich fragen, ob man sich die vielen zu berücksichtigenden Aspekte und den mit einer fachgerechten WDVS-Ausführung verbundenen Zeitaufwand wirklich antun will. Mein Vater, ein begeisterter Heimwerker, hatte zumindest seine Lehren gezogen und überließ fortan Wärmedämm-Maßnahmen dem Fachmann.

 

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