Hans-Gerd Heye

Belastbarkeit gedämmter Fassaden – eine Frage des Systems, des Standortes und der Verarbeitung

Hans-Gerd Heye, 12. März 2014

Eine Fassade als zentraler Teil der Gebäudehülle muss viel aushalten, das ist jedem bewusst. Wind, und Sonne, Regen, Hagel und Schnee oder „mechanische Stoßbelastungen“ wie Fahrradlenker oder Fußbälle wirken auf sie ein.

Der Planer bzw. Handwerker muss die objektspezifischen Belastungsanforderungen an die Fassade bei der Auswahl des Wärmedämm-Verbundsystems (WDVS) deshalb unbedingt berücksichtigen.

Im Vordergrund steht bei jedem WDVS immer die zu garantierende Stabilität, d. h. es ist für eine dauerhaft sichere Befestigung an der Wand zu sorgen. Dabei können je nach Windzone, Gebäudehöhe und Standort schon durch den Wind sehr starke Sogkräfte auftreten, die bei per Klebemörtel montierten Systemen zusätzlich eine Verdübelung der Dämmung erfordern. (Deutschland ist in vier „Windzonen“ eingeteilt – von der Küste bis in windarme Gegenden. Mit höherer Windzone steigen die Vorgaben für die Montage der Systeme).

Ich will nun die Blogleser nicht mit vielen Details der DIN 1055 langweilen. Für einen festen Verbund mit der Außenwand sind neben der Norm auch die exakten Befestigungsanleitungen des jeweiligen WDVS-Herstellers zu beachten. Eine Wahl der Dübelanzahl und ihrer Anordnung nach der Methode „Pi mal Daumen“ ist fahrlässig und kann insbesondere in windsoganfälligen Bereichen zum Abreißen der WDVS führen! Die Verarbeitung von WDVS ist eben kein Spielfeld für Heimwerker.

Von gleichfalls großer Bedeutung ist bei verputzten WDVS die Qualität des Putzes und zwar sowohl bezüglich des Materials wie auch der Ausführung – davon hängt nämlich wesentlich die Qualität des Witterungsschutzes ab. Größter „Feind“ von WDVS ist eindringende Feuchte, weil dadurch der Wärmeschutz praktisch aufgehoben wird und langfristig sogar die tragende Wand Schaden nimmt.

Auch besonders witterungsstabile Edelputze schützen nur dann vor Feuchte, wenn bei der Verputzung nicht geschludert wird. So ist beispielsweise bei den Anschlüssen von Fenstern und Türen auf eine ausreichende Armierung des Unterputzes durch entsprechend eingelegtes Armierungsgewebe zu achten, um Putzrisse zu vermeiden.

Eine Frage, die in diesem Zusammenhang von vielen Bauherren gestellt wird, lautet, ob ein witterungsstabiler Anstrich in jedem Fall als Endbeschichtung erforderlich ist. Grundsätzlich gilt, dass im Normalfall bei einem fachgerecht ausgeführten, witterungsstabilen Oberputz auf einen Anstrich verzichtet werden kann. Allerdings kann ein witterungsresistenter, hydrophobierender Anstrich wie eine Siliconharzfarbe neben der größeren Palette an leicht umzusetzenden Gestaltungsmöglichkeiten schon zu einem längeren Werterhalt einer WDVS-Fassade beitragen oder zumindest die Sanierungszyklen verlängern.

Vielen Bauherren ist zudem nicht bekannt, dass sich bei der Entwicklung von Fassadenfarben gerade in den letzten Jahren viel getan hat. So liegen unter anderem wasserabperlende und zur Selbstreinigung der Fassade beitragende wetterfeste Anstriche immer mehr im Trend. Auch die früher gültige Regel, dass dunkle Farbtöne aufgrund der Aufheizung der Dämmung durch adsorbierte Sonnenstrahlen und der dadurch möglichen Ausdehnung für WDVS nicht geeignet sind, ist nicht mehr generell gültig. Mittlerweile gibt es Fassadenfarben (z. B. Sto Color X black), die große Teile der Sonnenenergie reflektieren und die Temperaturspitzen gegenüber herkömmlicher Farbe um bis zu 20 Prozent reduzieren.

Ein besonders kritischer Bereich hinsichtlich der Belastungsfähigkeit ist der Sockel. Spritzwasser und anstehendes Erdreich setzen diesem Fassadensegment zu. Da sich die bauphysikalischen Anforderungen an den Sockel von denen an den oberen Fassadenbereich deutlich unterscheiden, ist diese schmale Zone auch nicht Teil der bauaufsichtlichen Zulassungen für WDVS.

Neben der Auswahl von Dämmplatten mit erhöhter Druckfestigkeit und niedriger Wasseraufnahme bieten sich hier Endbeschichtungen an, die gegenüber mechanischen Belastungen widerstandsfähiger sind als die üblichen Fassadenplatten. So sind für den Sockel z. B. keramische Platten eine empfehlenswerte Alternative: Neben der ästhetisch reizvollen Betonung des Sockels lässt sich dieser dann auch besonders leicht reinigen.

Die skizzierten Belastungsanforderungen und Lösungsansätze zeigen: Mit den gängigen Systemkomponenten lässt sich in nahezu allen Fällen problemlos ein belastungsgerechtes, systemkonformes WDVS auswählen. Oder anders ausgedrückt, es gibt für jede „belastende“ Herausforderung auch eine unkompliziert realisierbare WDVS-Lösung. Bei der Umsetzung helfen die in der Regel umfangreichen Verarbeitungsanleitungen der Hersteller und deren Außendienst. Insbesondere seine Hilfe sollte man auch bei Fragen zur Belastungsfähigkeit in Anspruch nehmen.

 

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