Experte sieht Potenzial für weitere EnEV-Verschärfung

04. August 2016

Experten sehen ein „differenziertes Potential für eine weitere Verschärfung der Anforderungen“ der Energieeinsparverordnung EnEV. Allerdings führten schon geringe Veränderungen etwa bei den angenommenen Energiepreisen oder bei der Effektivität der Anlagentechnik zu einer komplett anderen Betrachtung der Wirtschaftlichkeit.

Zwar haben die bisherigen Energieeinsparverordnungen laut Bert Oschatz vom ITG Dresden dazu geführt, dass die Baukosten stiegen. Diese seien aber „keinesfalls der ausschlaggebende Faktor“. Vor allem gestiegene Preise für Metalle hätten die Gebäudetechnik verteuert. Durch die EnEV 2016 und das EEWärmeG rechnet Oschatz mit Kostensteigerungen  zwischen 3 bis 11 Prozent in den Kostengruppen 300 und 400.

In einer aktuellen Studie hat Oschatz zusammen mit anderen Einrichtungen außerdem untersucht, ob man die Vorgaben der EnEV weiter verschärfen könnte. Danach wäre eine moderate Verschärfung wirtschaftlich möglich, hängt jedoch von den einzelnen Gebäuden und den betrachteten Technologien ab. Wärmepumpen schneiden bei der Betrachtung der Kosten am besten ab. Zumindest bei Einfamilienhäusern gehe der Trend zum Effizienzhaus 55, fasste Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen die Ergebnisse im April auf den Berliner Energietagen zusammen.

Wohnungswirtschaft wehrt sich gegen weitere Auflagen

Einer weiteren Verschärfung widersprach Ingrid Vogler vom Verband der Wohnungswirtschaft entschieden. Egal ob es um schnellen Neubau für Flüchtlinge oder um den Klimaschutz gehe, müsse die Wohnungswirtschaft liefern. Es seien aber nicht nur die Gesamtkosten zu betrachten, sondern die Wohnkosten. "Wenn wir die über 30 Jahre betrachten, gibt es erst einen großen Sprung, der dann mit den Energiepreis-Steigerungen geringer wird." Möglicherweise müsse man aus Gerechtigkeitsgründen sogar dazu kommen, in Ein- und Mehrfamilienhäusern unterschiedliche Energiebilanzen vorzuschreiben. Mieter verbrauchten heute schon 30 Prozent weniger Energie, da sie in kleineren Wohnungen leben.

Auch für Ulf Sieberg, Referent für Erneuerbare Wärmepolitik beim Bundesverband Erneuerbare Energien, stellt sich die Frage, "ob ich das Geld an den Zahnarzt am Starnberger See gebe oder an die Oma aus Marzahn." Differenzierte Vorgaben wären sozial und wirtschaftlich gerechter. Ziel seines Verbands sei eine Dekarbonisierung. "Es fließt derzeit noch viel Geld in das fossile Zeitalter um Effizienzpotentiale zu heben." Eine Chance biete die Zusammenführung von EEWärmeG und EnEV.

Eine Differenzierung für unterschiedliche Gebäudeklassen hält Oschatz für „illusorisch“, eine reine Betrachtung der Mietkosten für kurzsichtig: „Wie wollen die wohnungswirtschaftlichen Unternehmen denn überleben, wenn sie jetzt weniger investieren und dann mittelfristig die hohen Energiekosten haben?“, argumentiert er. pgl

 

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