Brandgefahr durch Dämmstoffe: Energieberater suchen das Gespräch

09. Januar 2018

Kontroverse Diskussionen über die Rolle der Fassadendämmung beim Brand des Grenfell Towers in London sowie mehrere Brandfälle in Deutschland vor wenigen Monaten haben das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN veranlasst, den Kontakt zur Feuerwehr zu suchen. Das Ergebnis eines Gesprächs mit der Führung der Feuerwehr Frankfurt/Main: Wärmedämmung bei der energetischen Sanierung von Gebäudehüllen und ausreichender Brandschutz schließen sich nicht aus.

Laut DEN kam bei dem Treffen zum Ausdruck, dass sowohl nicht brennbare als auch normal entflammbare Materialien sich für die Dämmung und den Bau von Gebäuden eignen - vorausgesetzt eine detaillierte Planung beachtet im Vorfeld bereits die Erfordernisse des Brandschutzes.

Auf Grund kritischer Stellungnahmen von Feuerwehrführern sowie von Presseberichten nach dem verheerenden Brand in London hat der DEN-Vorstand um ein klärendes Gespräch mit dem Direktor der Branddirektion in Frankfurt/Main, Prof. Reinhard Ries, nachgesucht. Dieser hatte sich in Interviews kritisch zur bisherigen Verwendung von Polystyrol im Gebäudebau – vor allem bei Fassadendämmungen – geäußert. DEN-Vorstand Hinderk Hillebrands: „Man hatte nach dem Brandfall sofort den Eindruck, dass alles auf die brennbare Fassade geschoben wurde, die Brandlasten und vor allem der Brandauslöser – in London war es ein defekter Kühlschrank - aber in den Hintergrund rückten. Das wollten wir richtigstellen.“

Geschwindigkeit des Abbrennens ist ausschlaggebend

Ries stellte fest, man habe als Feuerwehr kein Interesse daran, dass durch Aktionismus grundsätzlich nur noch nicht brennbare Materialien im Gebäudebau verwenden werden dürfen. Es gehe vielmehr um einen sinnvollen Brandschutz am und im Gebäude, und dabei sei besonders die Geschwindigkeit des Abbrennens ausschlaggebend. Frederik Stahl, Stellvertretender Sachratenleiter und Sachverständiger der Feuerwehr für Vorbeugenden Brandschutz, verwies auf den sinnvollen Einsatz von nicht brennbaren Materialien im Gebäudebestand und Neubau. Gerade im Bereich von erhöhten Brandlasten, die unmittelbar an ein Gebäude angrenzen, sollten nicht brennbare Materialien eingesetzt werden. Mülleimer oder abgestellte Fahrzeuge seien alltägliche Beispiele dafür.

Ries begrüßt deshalb grundsätzlich den Einsatz von nicht brennbaren Materialien im Erdgeschoss sowie von Brandriegeln zwischen jedem Geschoss für alle Objekte, die nicht als Hochhäuser gelten. Darunter fallen Gebäude mit einer Höhe von 7 bis 22 Meter. Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich darüber hinaus auch bei Bestandsgebäuden Nachbesserungen empfehlen, etwa ein Kantenschutz bei Fassadendämmungen. Bei Gebäuden über 22 Meter Höhe, die als Hochhäuser gelten, seien in Deutschland nicht brennbare Materialien für Wärmedämmungen bereits vorgeschrieben.

Die DEN-Ingenieure und die Vertreter der Frankfurter Feuerwehr stimmten darin überein, dass gerade mit Blick auf einen vorbeugenden Brandschutz bei energetischen Sanierungen eine qualifizierte Baubegleitung unabdingbar sei. Nur so seien die Vorteile durch energiesparende Maßnahmen mit ausreichender Sicherheit im Brandfalle zu gewährleisten. Eine solche Baubegleitung kann durch Fördermittel der KfW mit 50 Prozent oder maximal 4.000 Euro gefördert werden.

Die Gesprächspartner waren sich zudem einig, dass hohe Baukosten nicht durch Brandschutz und energetische Anforderungen verursacht würden, wenn eine detaillierte Planung der Errichtung oder der Sanierung eines Gebäudes voranginge. Dies sei keineswegs immer der Fall. Die Folge sei, dass im Nachgang hohe Investitionen ausgelöst würden, um die vorgegebenen Anforderungen zu erfüllen. Bei einer guten Planung führe der geforderte Brandschutz in der Regel zu Kostensteigerungen von etwa fünf Prozent. Brandschutzanforderungen im Nachhinein umzusetzen verursache hingegen erhebliche Baukostensteigerungen.

Quelle: DEN

 

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