WDVS und Veralgung von Fassaden

12. November 2012
Klaus Breuer, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Holzkirchen zitiert Herstellerangaben, nach denen 5 Prozent der jährlich gestalteten 25 Millionen Quadratmeter Fassade von Veralgung betroffen sind.

Handwerker bei der Wärmedämmung
Dämmung entkoppelt Innen und Außen. © EnBauSa.de


Genaue Zahlen liegen aber nicht vor. So sprach die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in einer Studie aus dem Jahr 2010 von deutlich höheren Fallzahlen.

Ab einer gewissen Dämmstoffdicke wird bei Außenwänden die innere von der äußeren Wandschale thermisch abgekoppelt. Das bedeutet, dass keine Wärme von innen nach außen abgegeben wird. Das ist erwünscht, schließlich soll Heizenergie gespart werden. Einen Effekt hat das aber: Tauwasser trocknet nicht mehr so schnell ab, vor allem dann, wenn die Wände selbst keine Wärme speichern können.

Die feuchte Oberfläche kann vor allem an Außenwänden, die wenig der Sonne aufgesetzt sind, ein Nährboden für Algen und Pilze sein. Bauliche Maßnahmen und die Ausstattung von Putzen und Farben mit Bioziden können die Veralgung reduzieren.

"Um Wärmedämmverbundsysteme dauerhaft und damit auch ressourcenschonend auszuführen, ist vielfach eine Ausrüstung der Beschichtung mit bioziden Wirkstoffen notwendig", sagt etwa Christian Scherer, Gruppenleiter Chemie am Fraunhofer-Institut für Bauphysik.

Für Kritiker wie den Architekten Christoph Mäckler ist die Ausrüstung von Wärmedämmung mit Bioziden einer der Gründe, das Verbot von Wärmedämmverbundsystemen in Neubauten zu fordern. Die Stoffe wirken nur, wenn sie wasserlöslich sind. Deshalb werden sie von den Fassaden ausgewaschen und gelangen auch in den Boden und das Grundwasser.

Eine der Methoden, die das verhindern soll, ist die Verkapselung der Biozide. Sie reduziert die Einsatzmengen und vermindert die Auswaschung. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen hat das untersucht. In den Jahren 2010 und 2011 wurde die Biozid-Auswaschung an den Westfassaden zweier baugleicher Häuser gemessen. Auf jeweils der Hälfte der Fassaden kam ein hochhydrophober Putz nach DIN EN 15824 auf ein organisches Wärmedämmverbundsystem. In dem Oberputz, der bereits selbst deutlich weniger Wirkstoff freisetzt als einfachere Produkte, waren die bioziden Wirkstoffe verkapselt (Haus 1) beziehungsweise frei (Haus 2) eingesetzt - jeweils in den gleichen Konzentrationen. Die Konzentration der Wirkstoffe lag bei 1,6 Gramm pro Quadratmeter Fassadenfläche (entprechend 0,62 Gramm pro Kilogramm fertigem Oberputz).

Bei den freien unverkapselten Verbindungen werden im ersten Jahr zwischen 3,7 und 11,8 Prozent der Gesamtwirkstoffmenge ausgewaschen, bei den verkapselten Wirkstoffen zwischen 1,5 und 4,9 Prozent. Fassaden mit verkapselten Wirkstoffen sind länger geschützt, die Stoffe gelangen weniger schnell in die Umwelt.

Michael Burkhardt, Professor am schweizerischen Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik an der HSR Hochschule für Technik Rapperswil und langjähriger Experte in Sachen Biozide, beobachtet, dass bei den Herstellern ein Umdenken eingesetzt hat: "Alle Hersteller von Bioziden und quasi alle Hersteller von Putz und Farbe setzen sich mit dem Thema intensiv auseinander und entwickeln Lösungen. Bereits heute werden weit verbreitet verkapselte Biozide eingesetzt, die Dosiermengen und die Produktrezepturen verbessert. Der Trend geht zudem zu leichter abbaubaren Stoffen".

Insgesamt sei er positiv überrascht, wie schnell die Hersteller lernten und neue Erkenntnisse in Produkte einfliessen ließen. "Wenn das in anderen Branchen so wäre, wären wir beim Schutz der Ressourcen viel weiter", sagt Burkhardt.

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