Brandklassen: Deutsche und europäische Prüfmethode im Vergleich

Im Rahmen der Harmonisierung der europäischen Normen für Bauprodukte werden über kurz oder lang auch die nationalen Prüfverfahren für das Brandverhalten von Baustoffen abgelöst. Im Zentrum der neuen Methode steht der SBI-Test.

Ziel des SBI-Tests ist es, ähnlich wie beim deutschen Brandschachttest nach DIN 4102-1/-15, die Ausbreitung der Flammen beim Brand eines einzelnen Gegenstandes festzustellen. SBI steht für Single Burning Item oder auf Deutsch „einzelner brennender Gegenstand“. Dazu wird in einer Ecke eines Raumes beziehungsweise in einem L-förmigen Teststand ein Brandherd angebracht, der etwa einen brennenden Papierkorb in der Raumecke oder Ähnliches simuliert. Doch auch wenn das Ziel das gleiche ist wie beim Brandschachttest, sind Konzeption, Testaufbau und -durchführung der beiden Methoden unterschiedlich.

Feuerwehrmänner beim Löschen eines Brandes

Eine schnelle Ausbreitung von Gebäudebränden zu verhindern ist die Aufgabe des baulichen Brandschutzes. © Fotolia/EnBauSa.de

In Deutschland ist das Hauptkriterium für die Eingruppierung brennbarer Produkte in die Baustoffklasse B1 (schwerentflammbar) bislang die Flammenausbreitung. Bei der Prüfung im Brandschacht nach DIN 4102 werden 1 m lange, schachtförmig angeordnete Proben 10 Minuten lang am unteren Ende beflammt und es wird gemessen, wie weit die Zerstörung der Probe nach oben reicht beziehungsweise welche Flammenhöhe erreicht wurde. Zusätzlich wird die Wärmeentwicklung beim Brennen bewertet (Temperaturmessung im Abgasstrom). Die Entwicklung von Rauch wird ebenfalls gemessen. Starke Rauchentwicklung wird auf den Zertifikaten vermerkt. Nach der DIN 4102 muss die mittlere unverbrannte Länge der Proben großer oder gleich 15 cm sein. Gleichzeitig darf die Temperatur im Abgasstrom 200°C nicht übersteigen. Keine Probe darf ganz verbrannt sein.

Zusätzlich zum Brandschachttest müssen Baustoffe für die Eingruppierung in die Klasse B1 dem sogenannten Kleinbrennertest unterzogen werden. Dabei wird eine Probe 15 Sekunden lang einer kleinen Flamme ausgesetzt. Bei mehrschichtigen Bauprodukten, bei denen im Anwendungsfall offene Kanten vorkommen können, werden alle Schichten beflammt und bewertet. Bestanden ist der Test, wenn die Flamme innerhalb von 20 Sekunden nicht bei der Messmarke 150 mm über dem Flammenangriffspunkt angekommen ist. Dieser Test wird auch für die Einstufung von Baustoffen in die Klasse B2 (normalentflammbar) herangezogen, die hierzulande Voraussetzung für den Einsatz eines Produktes  im Bauwesen ist.

Auch das europäische Prüfverfahren sieht neben dem SBI-Test einen Kleinbrennertest vor. Nach diesem Test werden Polystyrol-Dämmplatten in die europäische Baustoffklasse E – normalentflammbar – eingestuft.

Die Bewertungskriterien des SBI-Tests sind wesentlich komplexer als die des deutschen Brandschachtverfahrens. Gemessen werden im Rahmen einer 20minütigen Beflammung

  • Energiefreisetzung (THR – total heat release)
  • Flammenausbreitung (LFS – longitudinal flame spread)
  • Geschwindigkeit der Brandausbreitung (FIGRA – fire growth rate)
  • Rauchentwicklung (SMOGRA – smoke growth rate)
  • Brennendes Abfallen bzw. Abtropfen

Für jede Brandschutzklasse nach DIN EN 13823 müssen THR, LFS und FIGRA bestimmte Grenzwerte einhalten. Eine Übersicht findet sich hier.

Das SBI-Testverfahren ist unter Fachleuten umstritten, da bei mehreren Testreihen einmal erzielte Ergebnisse nicht reproduziert werden konnten. Bei jeder Testwiederholung wurden andere Ergebnisse erzielt.

Ohnehin können WDVS sowohl national als auch europäisch nicht abschließend mit den Laborverfahren nach DIN 4102-1 oder DIN EN 13501-1 beurteilt und klassifiziert werden. Meist müssen auch Großversuche durchgeführt werden. Die genauen Prüfvorgaben werden vor der Prüfung durch die Zulassungsstelle festgelegt. Für Großversuche im Rahmen der europäischen Einordnung sind bis heute keine endgültigen Festlegungen getroffen worden.

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