Wohnungseigentümergemeinschaften besitzen einen hohen Anteil am bewohnten Raum und dieser birgt viel Energieeinsparpotenzial. Bislang liegt die Sanierungsquote bei dieser Gruppe allerdings noch niedriger als im Durchschnitt. Woran das liegt – und warum sich das derzeit in Baden-Württemberg ändert – soll im Folgenden dargelegt werden.

Das Problem kennen Sie bestimmt alle auch aus dem persönlichen Alltag: Sie haben eine wichtige Botschaft, nur leider hört ihr Gegenüber nicht richtig zu. Oder man selbst schafft es nicht, die richtigen Worte zu finden. Auch bei der energetischen Sanierung gibt es einige Hindernisse bei der Kommunikation. Zum einen muss natürlich der Inhalt stimmen. Zum anderen muss aber auch das Gegenüber bereit sein, die Botschaft zu hören. Kurzum, eine zielgruppengenaue Ansprache ist Grundvoraussetzung dafür, Menschen für eine energetische Sanierung zu begeistern.

Bei unserer täglichen Arbeit in der Energieagentur wird uns das immer wieder bewusst, wenn wir neue Projekte auf die Beine stellen. Ein besonders gutes Beispiel sind die Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGen), die wir in den letzten Monaten verstärkt in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten gestellt haben. Über 30 Prozent aller Wohnungen in Baden-Württemberg sind Eigentumswohnungen, die als WEGen verwaltet werden. In Ballungszentren sind es sogar bis zu 50 Prozent.

Die überwiegende Mehrheit dieser Wohnungen ist energetisch auf dem Stand von vor 1977, fristet also ein Dasein, als ob es die Wärmedämmschutzverordnung und die darauffolgenden gesetzlichen Regelungen zur Wärmedämmung nie gegeben hätte. Das Einsparpotenzial bei den WEGen ist enorm, doch wurden diese Potenziale bisher kaum erschlossen. In Baden-Württemberg wird dieser schlafende Riese nun aber endlich geweckt. Wie? Mit den passenden Rahmenbedingungen und einer zielgruppengenauen Ansprache.

Das Land Baden-Württemberg machte die Kredite der KfW-Förderbank für WEGen zugänglich, indem es bereit war, Ausfallbürgschaften für diese Zielgruppe zu übernehmen. Seit 2012 leitet die landeseigene L-Bank die KfW-Darlehen des Bundes in Verbindung mit der Landesbürgschaft direkt an die Wohnungseigentümergemeinschaften weiter. Außerdem verbilligt sie diese Darlehen auf null Prozent. Ein Angebot, das nicht mehr zu toppen ist. Gefördert werden so Maßnahmen zur energetischen Sanierung und barrierefreie oder –arme Modernisierungen von Wohnungen.

Nicht zuletzt auf Grund vieler Anregungen aus der Wohnungswirtschaft hat die Politik hier pragmatisch reagiert und ein Angebot geschaffen, das Hindernisse auf dem Weg zur energetischen Sanierung unkompliziert beseitigt hat. Wenn man das nur öfter sagen könnte, insbesondere mit der Zielrichtung Berlin, dann würden wir bestimmt nicht mehr lange bei einer Sanierungsquote von etwa einem Prozent stagnieren.

So weit so gut. Doch da zu Beginn niemand über das Programm geredet hat, wurde es zunächst auch nicht weiter bekannt. Das beste Förderprogramm bringt aber nichts, wenn die Botschaft bei der Zielgruppe nicht ankommt. Hier tun sich staatliche Stellen oft schwer, auch die L-Bank macht da keine Ausnahme. Der Impuls kann aber auch von anderen Akteuren ausgehen, wie das Beispiel hier im Südwesten zeigt. Gemeinsam mit verschiedenen Förderern aus der Wirtschaft, die sich die energetische Sanierung auf die Fahnen geschrieben haben, hat die Energieagentur Regio Freiburg das Kompetenzzentrum WEG-Forum ins Leben gerufen.

Dort haben wir ein Netzwerk aufgebaut, in dem Informationen ausgetauscht werden können und Expertenwissen zur Verfügung gestellt wird. In mehreren Städten (Freiburg, Stuttgart, Heidelberg, Lörrach, Karlsruhe) bieten wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Energieagenturen vor Ort Informationsveranstaltungen speziell für WEGen an. Dort geben sich inzwischen prominente Gastredner (Ernst Ulrich von Weizsäcker, Klaus Töpfer, Franz Alt u.a.), führende (Landes-)Politiker wie Nils Schmid, Franz Untersteller oder Edith Sitzmann und Experten für energetische Gebäudesanierung die Klinke in die Hand und informieren die Teilnehmer zielgruppengerecht.

Bei den Veranstaltungen und auf der Homepage finden alle Interessierten strukturiertes Wissen und aktuelle Informationen zu allen Fragen der energietechnischen Sanierung: von gelungenen Praxisbeispielen über aktuelle technische Lösungen und zukunftsfähige Modelle der Energieversorgung für Wohngebäude bis zu rechtlichen Rahmenbedingungen oder den Rechten und Pflichten eines Verwaltungsbeirates. Auch Detailfragen wie steuerliche Rahmenbedingungen bei Blockheizkraftwerken oder die Eigenstromversorgung im Mehrfamilienhaus werden thematisiert.

Das Expertennetzwerk bietet allen Akteuren aus dem Bereich der WEG darüber hinaus Unterstützung bei der gutachterlichen Aufbereitung von Fragestellungen bei Sanierungsvorhaben, hilft bei der Antragstellung und Vermittlung von Fördergelder und vermittelt Experten zu rechtlichen und steuerlichen Fragestellungen. In der Summe finden WEGen quasi ein Rundum-Sorglos-Paket für all ihre Sanierungsfragen.

Unsere Kooperationspartner schätzen, dass bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2016 in Baden-Württemberg Mittel von 100 Mio. Euro für ca. 10.000 Wohneinheiten mit Hilfe des L-Bank-Angebots abgerufen werden. Rechnet man dies auf die anderen Bundesländer hoch, die das Modell aus dem Ländle bereits neugierig zur Kenntnis genommen haben und selbst an ähnlichen Regelungen arbeiten, käme man auf fast schon paradiesische Zahlen. Vielleicht haben wir dann eine Blaupause für eine erfolgreiche Kommunikationsstrategie im Zusammenspiel mit einem sinnvollen Förderprogramm. Fragen Sie in ein paar Jahren mal nach, ob es funktioniert hat.

 

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Kommentare  

Andreas Kühl Mittwoch, 02. Juli 2014 13:07
Sehr schöner Artikel und wichtiges Thema, damit alle Zielgruppen in der Sanierung erreicht werden können. WEG werden in den Diskussionen über die Sanierung oft vergessen. Auch die Kommunikation ist gerade bei dieser Zielgruppe ein besonders wichtiges Thema. Prima, dass sich noch andere mit diesem Thema befassen.
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