Hans-Gerd Heye

WDVS: Ein Baustein für den sommerlichen Hitzeschutz

Hans-Gerd Heye, 15. Juni 2015

Mittlerweile hat uns endlich der Sommer erreicht. Aber wie das mit dem Wetter nun mal so ist so ganz zufrieden sind wir nie. Im Sommer stöhnt so mancher über zu große Hitze – auch in den Gebäuden. Schließlich erwärmt die intensive Sonneneinstrahlung unweigerlich das Gebäudeinnere, das bei mangelhaftem Sonnenschutz (vor allem der Fenster!) zu einer oft unangenehmen Überhitzung führen kann. Eine Kühlung der Räume durch Klimatisierung treibt wiederum den Energieverbrauch in die Höhe.

Angesichts der Bedeutung des sommerlichen Wärme­chutzes für Energieeffizienz und Wohnbehaglichkeit eines Gebäudes ist er seit der Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV) für beheizte Neubauten und energetischer Sanierung von Altbauten verpflichtend nachzuweisen. Ich will auf Details der zwei möglichen Nachweisverfahren nach der DIN 4108, dem vereinfachten Sonneneintrags-Kennwertverfahren und der dynamischen Gebäudesimulation, hier nicht eingehen. Wer sich als Bauherr bzw. Hausbesitzer diesbezüglich näher informieren möchte, dem ist die Website www.baunetzwissen.de zu empfehlen. Festzuhalten ist, dass sich mit der aktuell geltenden EnEV 2014 und der überarbeiteten DIN 4108 auch die Mindestanforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz verschärft haben.

Der Sonneneintragswert als bestimmende Größe des Kennwertverfahrens dokumentiert, worauf es beim sommerlichen Wärmeschutz im Wesentlichen ankommt. Deshalb ist vorrangig der Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung anhand geeigneter Sonnenschutzmaßnahmen wie Sonnenschutzverglasung und Verschattungseinrichtungen zu minimieren sowie für eine ausreichende Belüftung der Innenräume zu sorgen. Die für den sommerlichen Wärmeschutz kritischste Fassade ist übrigens nicht die Südseite, sondern wegen der tiefstehenden Sonne und besonders direkter Strahlungstransmission die nach Westen orientierte Gebäudeseite.

Der Wärmedurchgangswert (U-Wert) der Außenwände spielt im Gegensatz zum winterlichen Wärmeschutz eine untergeordnete Rolle. Ein niedriger U-Wert, also eine hohe Wärmedämmung, wirkt sich in der Regel aber positiv auf den sommerlichen Wärmeschutz aus, weil er bei Witterungsumschwüngen zu Beginn einer Schönwetterperiode die Erwärmung der Innenräume verzögert. Die Vorstellung, dass in Häusern mit guter Wärmedämmung die eingebrachte Sonnenwärme nicht nach außen entweichen kann und damit eine Kühlung des Gebäudeinneren verhindert, ist hingegen im Normalfall falsch.

Ein einfaches Beispiel zeigt es auf: Damit an Hochsommer-Tagen mit einer Außentemperatur von 30 Grad Celsius Wärme nach außen abfließt, müsste es in den Innenräumen noch heißer sein. Ansonsten fließt im Gegenteil Wärme von außen nach innen und heizt das Gebäudeinnere weiter auf. Besonders extrem wirkt sich diese Überhitzung fördernde Wärmeleitung bei einem ungedämmten Dach aus. Bei voller Sonneneinstrahlung erreicht beispielweise eine Dachziegeldeckung Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius, so dass selbst bei einer Temperatur von 40 Grad Celsius unterm Dach die Räume sich wie durch eine Deckenheizung immer weiter erwärmen.

Tatsächlich wirkt eine Dämmschicht auf der Außenwand also im Sommer genauso wie im Winter, nur mit umgekehrten Vorzeichen: So, wie eine Thermoskanne Kaltes kühl und Heißes warm hält, sorgt auch ein Dämmsystem dafür, dass die Räume länger kühl bleiben – weil eben die Sonnenwärme nicht so schnell über die Fassade nach innen dringt und die kühleren Innenraumtemperaturen nicht so schnell nach außen.

Hilfreich ist beim Schutz vor Überhitzung auch eine hohe Wärmespeicherfähigkeit der Wände. Massive, schwere Wände speichern die Sonnenwärme und geben sie erst während der kühleren Abend- und Nachtstunden wieder ab. Die Bauart der Wände und ihre damit verbundene wärmespeichernde Fähigkeit wird deshalb auch beim Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes entsprechend berücksichtigt

Der Auftrag von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) auf schweren Außenwänden wie z. B. aus Kalksandstein oder Beton wirkt sich dabei im Gegensatz zu einer Innendämmung nicht nachteilig auf deren Wärmespeicherfähigkeit aus. Grund dafür ist, dass die innenliegende tragende Wand annähernd die Temperatur des Innenraumes beibehält und so zur Speicherung der Sonnenwärme zur Verfügung steht.

Allerdings darf man den temporär Sonnenwärme zwischenspeichernden Effekt und den Ausgleich von Temperaturschwankungen insbesondere bei längeren Hitzeperioden auch nicht überschätzen. Wärmespeichernde Innenwände sind vor allem in Übergangszeiten wie Herbst und Frühling von Bedeutung, weil sie im Zusammenwirken mit großen Glasflächen der Fassade passive Sonnenenergiegewinne ermöglichen und durch die zeitlich verzögerte Wärmeabgabe zur Heizenergieeinsparung beitragen. Und das schont nicht nur die Umwelt sondern auch den Geldbeutel des Hausbesitzers.

 

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