Ronny Meyer

Spitze gegen Hitze: Spezialglas, Dämmung und Verschattung

Ronny Meyer, 10. Juli 2017

Der Sommer ist da und wir hatten schon im Juni so heiße Tage, wie wir sie eher vom August kennen. Der Klimawandel lässt mal wieder grüßen und das Jahr 2017 hat gute Chancen – wenn es so weiter macht – zum heißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1880 zu werden. Genau wie schon 2016, 2015 und 2014 diese zweifelhafte Auszeichnung bekommen hatten. Selbst die außergewöhnlich heftigen Regengüsse der vergangenen Wochen kühlten die Juni-Durchschnittstemperatur nur minimal ab. Der Deutsche Wetterdienst bezeichnet den Juni 2017 als den wärmsten Juni seit zehn Jahren.

Während wir also einerseits die Folgen des Klimawandels nachhaltig abfedern müssen und unseren Gebäudebestand endlich konsequent energetisch sanieren müssten, sind wir zugleich gezwungen, bereits heute mit den Wetterkapriolen so umzugehen, dass das Leben erträglich bleibt. Im Hochsommer, wenn die Temperatur über Wochen am Stück tagsüber die 30-Grad-Marke knackt, wird es in Häusern ohne sommerlichen Wärmeschutz erst warm und letztlich unerträglich heiß. Vor allem die Dachgeschosse sind betroffen.

Den winterlichen Wärmeschutz kennt jeder: Dämmung und Dreifachscheiben halten während der Heizperiode die Wärme im Haus. Der sommerliche Wärmeschutz sorgt mit den vier Säulen „Verglasung“, „Verschattung“, „Dämmung“ und „Lüftung“ dafür, dass die Sommerhitze draußen bleibt.

Hintergrund: Im Winter scheint die tief stehende Sonne nahezu waagerecht durch die Verglasung und unterstützt damit kostenlos die Heizung. Fachbegriff: „passive“ Sonnenenergie. Eine gute Sache, aber eben nur im Winter. Im Sommer, wenn die Sonne hoch steht, können mit dem Dachüberstand und mit Balkonen einige Fenster verschattet werden – die Wärme bleibt weitgehend draußen.

Das klingt erstmal beruhigend, wären da nicht die Fensterflächen nach Westen: Gerade an heißen Sommertagen knallt dort die Hitze nachmittags und abends mit voller Power auf die Scheiben. Architekten und Energieberater können diesen Effekt mit „Sonnenstandverlaufs-Simulationsberechnungen“ genau vorhersagen und das Gebäude entsprechend planen.

Spezielle Sonnenschutzgläser mit Infrarotreflexion können hier eine zu starke Sonneneinstrahlung ins Gebäude verhindern. Beachtlich, was moderne Gläser drauf haben: Im Winter bleibt die Wärme drinnen, übermäßige Wärme wird im Sommer draußen gehalten.

Die zweite Säule sind Rollos, Jalousien oder Raffstores (optimal: automatisch gesteuert): Außen sind sie deutlich wirkungsvoller als innen – gerade bei Dachflächenfenstern. Denn dort gibt es bestenfalls einen kurzzeitigen und daher minimalen Verschattungseffekt etwa durch den Schornstein.

Wenn das Gebäude zusätzlich richtig gedämmt (Säule 3) ist und vernünftig gelüftet (Säule 4) wird  – nachts die Fenster öffnen und für Durchzug sorgen, um die kühle Nachtluft ins Haus zu holen – kommen wir einigermaßen gut durch den Sommer, der ja für die meisten Menschen – noch – die schönste Jahreszeit ist. So soll es auch bleiben.

Deshalb ein kleines Plädoyer: Wir brauchen wirkungsvolle Lösungen für ein angenehmes Raumklima auch im Sommer. Klimaschutz im doppelten Sinne. Wir müssten uns langsam mal vom Sofa erheben und tatkräftig anpacken. Vernünftig ausgestattete Gebäude (inklusive Dämmung) helfen – ohne Wenn und Aber. 

Übrigens: Die Energieeinsparverordnung (EnEV) fordert zwar nur beim Neubau den Nachweis zum sommerlichen Wärmeschutz, dennoch sind sich die Bau-Experten einig, dass auch bei einer Gebäudemodernisierung dieses wichtige Thema auf die Agenda gehört.

Schlussbemerkung 1: Die Argumente gelten gleichermaßen vom Einfamilienhaus bis zum Hochhaus.

Und – aus aktuellem Anlass – Schlussbemerkung 2: Der Gebäudetyp beeinflusst den erforderlichen Brandschutz. Gerade in Deutschland ist das Sicherheitsniveau insgesamt sehr hoch. Auch wenn es niemals vollständige Sicherheit gibt, hier ein Vergleich: Die Feuerwehr Frankfurt hat eine Liste angefertigt, in der seit 2011 insgesamt 95 Brände aufgeführt werden die „in Verbindung mit WDVS“ standen.

Dem stehen im selben Zeitraum insgesamt weit mehr als eine Million Brände gegenüber. Ein Hochhaus zu räumen, weil die Dämmung brennen könnte – wie jetzt in Wuppertal – kann man machen. Es spricht auch nichts dagegen, gedämmte Hochhäuser zu überprüfen. Doch bei vielen hunderttausend Bränden, die etwa durch defekte Elektrogeräte, Kerzen oder Zigaretten verursacht wurden und werden, sollte man auch in diese Richtung aufklären – und Brandgefahren in die richtige Relation bringen.

Sonst bleibt der Beigeschmack, dass es manchmal gar nicht um den Brandschutz geht, sondern das Unglück von Menschen dazu instrumentalisiert wird, eigene Ziele durchzusetzen (hier: Fassadendämmung schlecht zu machen). Objektiv betrachtet ist die Brandgefahr durch WDVS – verglichen mit der Gesamtzahl aller Brandereignisse – gering. Ein deutlich höheres Risiko ist ohne Frage der Klimawandel. Und der bedroht uns alle. Überall.

 

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