Armin Scharf

Es geht auch ohne Putz an der Fassade

Armin Scharf, 17. Februar 2014

Marmor gibt es zwar noch keinen, aber allerlei andere Alternativen zur verputzten Fassadendämmung. Glasmosaike zum Beispiel. Oder Gneis, Glas oder Feinsteinzeug. Keine Spur von Verarmung also.

Die Wärmedämmung von Fassaden schaltet dieselben gleich – zumindest optisch. Gliederungen verschwinden oder werden erst gar nicht angedacht, die schnöde Flächigkeit dominiert, allenfalls Wasserfahnen beleben die zur ästhetischen Belanglosigkeit verdämmten Gebäudehüllen. Oder?

Sagen wir mal so: Am Planer-Stammtisch ist die Klage laut über Verarmung, Uniformität, über das Primat des Energiesparens, das den Kreativen die Kreativität nehme. Früher, da ist man sich schnell einig, war alles besser. Früher gab es Schnee im Winter, waren die Grünphasen der Ampeln länger, die Bleistifte spitzer, die Optionen für die Gestaltung unendlich und der Putz noch echte Handwerksarbeit.

Im Rückblick-Modus schaltet sich die beschönigende Verklärung ein – und Architekten, Planer, Baukritiker sind eben auch nur Menschen. Nur: Je lauter die Klage, umso weniger wird sie hinterfragt. Das aber wäre angebracht, denn das reflexartige Lamento ist überflüssig – um das zu erkennen, muss man lediglich die Augen öffnen und das Denken updaten. Was zugegeben zu den schwierigsten Dingen überhaupt gehört, aber kreativen Menschen durchaus zumutbar ist.

Denn es gibt sie – die Optionen. Fassadendämmung ohne dünnes Kratzputzimitat ist machbar! Zu dieser Erkenntnis genügt der Blick in die Handbücher der Dämmsystem-Anbieter. Freilich steht der Putz im Vordergrund, er ist in weiten Teilen der Republik schlichtweg Standard, weil es zur regionalen Tradition gehört oder ganz einfach kostengünstig ist.

Doch neben dem Putz – der übrigens selbst schon enorm viele Strukturen, Körnungen, Farben und Effekte bietet – finden sich allerlei andere Möglichkeiten, um die Dämmebene optisch und haptisch interessant zu gestalten, ohne dabei Einschränkungen auf Seiten der Funktionalität hinnehmen zu müssen.

Da gibt es die bekannten Klinkerriemchen, aber auch ganz anderes, überraschendes. Natursteine zum Beispiel. Oder Glas, Feinsteinzeug, farbige Mosaikarrangements, Bossen und andere Profilelemente. Ästhetische Verarmung sieht anders aus. Mit diesen Materialien für die äußerste Ebene der Dämmung lässt sich trefflich arbeiten, ja komponieren. Was spricht also dagegen? Erstens: Das Versiegen des Klageliedes, mit dem man sich so bequem die eigene Verantwortung für eine differenzierende Gestaltung abschieben kann. Zweitens: Die Kosten, der Knackpunkt überhaupt also.

Denn selbstverständlich ist nichts billiger als ein dünnschichtig applizierter Putz von der Stange. Genau hier dürfte letztlich auch der eigentliche Grund für die Verarmung sein: Materialien, Gliederungen, Ornamente, prägnante Putzstrukturen sind nicht umsonst zu haben. Zu teuer für Investoren auf Renditejagd, zu teuer für Häuslebauer ohne Eigenkapital, zu teuer für gewerbliche Bauherren mit der Vorliebe für Kistenästhetik. Da aber zwischen „gefühlten“ und realen Kosten oft eine enorme Lücke klafft, lohnt es sich genau hinzuschauen und den hochgeschätzten Bleistift anzusetzen. Dann ist Vielfalt machbar.

 

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