Rüdiger Fleck

50 – 80 – 90: Für diese Energiewende brauchen wir die Kommunen

Rüdiger Fleck, 13. Januar 2017

50 Prozent weniger Energieverbrauch, 80 Prozent erneuerbare Energie, 90 Prozent weniger Treibhausgas: So definiert das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg die Klimaziele für das Bundesland bis zum Jahr 2050.

Ein attraktiver Plan! Damit er gelingt, muss diese Energiewende weniger als Stromwende, sondern viel mehr als Umbau des Wärmesektors angegangen werden. Der Grund liegt auf der Hand: Etwa 58 Prozent der Endenergie fließen bundesweit in die Erzeugung von Wärme, davon gehen drei Viertel auf das Konto nicht modernisierter Altbauten (Quelle: dena - Deutsche Energie Agentur). Hier gibt es also viel zu tun, denn der Gebäudebestand im Jahr 2050 wird zu einem großen Teil mit dem heutigen identisch sein.

Damit wird deutlich, welche zentrale Rolle die Hauseigentümerschaft für das Gelingen der Wärmewende spielt. Sie entscheidet autonom für oder gegen eine energetische Sanierung. Die Erfahrung zeigt: Noch kommen zu wenige von allein auf die Idee, in eine energetisch optimierte Zukunft zu investieren. Derzeit liegt die Sanierungsquote nur bei einem Prozent. Bliebe es so, wäre bis 2050 nur etwa ein Drittel des Bestandes saniert – von heute an gerechnet. Also müssen wir die Menschen aktiv dazu anregen, ihre Wärmebilanz zu ziehen.

Als regionaler Anbieter suchen wir Wege, die nationalen beziehungsweise landesweiten Energiewendeziele auf lokaler Ebene zu realisieren. Dabei kommt den Kommunen eine Schlüsselrolle zu, denn Wärme wird in der Regel regional produziert und verteilt. Wärmebelange sind also lokal motiviert, werden kommunal diskutiert und entschieden. Ohne engagierte Menschen vor Ort geht das nicht, besonders auf Quartiersebene.

Der Kommune kommt also die Aufgabe zu, als Initiatorin und Moderatorin partizipativer Prozesse zu agieren. Zudem sollten Kommunen informieren, gegebenenfalls mit eigenen Programmen zusätzliche Anreize schaffen und vor allem Vorbild sein bei den eigenen Liegenschaften. Wird die Kommune aktiv, wird sie zum Wärmewende-Motor. Beispiele liefern die Projekte in Burg-Birkenhof, Bürkle-Bleiche, Meßkirch oder Wehr – Kommunen auf dem Weg zur Klimaneutralität, die wir auf diesem Weg begleiten durften.

Nachahmenswert ist zum Beispiel die "Wärmeinitiative Bad Säckingen", die vor allem den Anteil an Wärme aus erneuerbaren Energien erhöhen will. Eine Besonderheit: Engagierte Menschen aus den Kommunen haben die Kampagne selbst gefordert. Sie entstand aus einer Maßnahme des European Energy Awards (eea). Bad Säckingen beschloss schon 2012, mit unserer Unterstützung eea-Kommune zu werden.

2014 gelang die Zertifizierung, 2015 starteten wir gemeinsam ein Klimaschutzkonzept. Mit der "Wärmeinitiative Bad Säckingen" geht es nun in die Umsetzung auf lokaler Ebene – übrigens gefördert vom Land (Programm für umsetzungsreife Projekte "Klimaschutz mit System Extra"). Die Kampagne ist dreistufig aufgebaut: Vor-Ort-Check – Energiekonzept – Modellprojekt und richtet sich an Hauseigentümer*innen von Gebäuden, die vor 1995 gebaut wurden.

Beraten werden sie von "Wärmelotsen", einem Netz regionaler, qualifizierter Energieberater*innen, finanziell unterstützt von den lokalen Stadtwerken. Infoveranstaltungen flankieren das Beratungsangebot, zum Beispiel mit Führungen durch einzelne Sanierungsmaßnahmen.

Der Vor-Ort-Check verfolgt keine kommerziellen Interessen und ist mit 50 Euro extrem preisgünstig. Diese niederschwellige Eintrittskarte in die Sanierungswelt birgt die große Chance, Hausbesitzer*innen für energetische Belange zu sensibilisieren. Der persönliche, fachlich versierte Blick auf die eigenen vier Wände zeigt Wirkung: Die ersten Nachfragen liegen schon auf dem Tisch.

Das Beispiel zeigt: Aktive Kommunen sind ein Schlüssel, um die Model-Maße 50 – 80 – 90 im Zeitraum bis 2050 erreichen zu können.

 

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