Bei der ökologischen Beurteilung von Dämmstoffen spielen viele Fragen eine Rolle: Wie gut ist die Dämmwirkung und wie viel Energie kann mit einer Dämmung eingespart werden? Wie viel energetischer Aufwand muss bei der Herstellung und Verarbeitung des Produkts betrieben werden?

Wie lange hält das Dämmmaterial und was passiert, wenn es wieder abgenommen werden muss? Wie gesund ist der Dämmstoff für Mensch und Natur? Und last but not least: wie teuer ist er?

Die Antworten fallen bei den verschiedenen Dämmstoffen, die auf dem Markt sind, zwar unterschiedlich aus, doch eine ist bei allen gleich: Die Energiebilanz von Dämmstoffen ist außerordentlich positiv, denn die Energie, die mit einer Dämmung eingespart werden kann, überwiegt den Aufwand bei der Herstellung um ein Vielfaches. Dies gilt für herkömmliche Materialien wie den Marktführer EPS (expandierter Polystyrol Hartschaum) oder Mineralwolle ebenso wie für Ökomaterialien wie Holz, Zellulose, Kork oder Wolle.

Hauptgegenstand bei der ökologischen Beurteilung ist meist die Energiebilanz und die Frage der energetischen Amortisation. Dabei wird die Energie, die zur Herstellung eines Dämmstoffs aufgewendet wird, mit der eingesparten Energie in der Nutzungsphase verglichen. Zur Überraschung vieler – und im Gegensatz zur Aussage zahlreicher schlecht recherchierter Presseberichte – schneiden hier auch konventionelle Dämmstoffe sehr gut ab. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat mit der Ökobau.dat eine Datenbank entwickelt, die in fast 1000 Datenblättern die verschiedenen Baumaterialien auf ihre ökologischen Wirkungen untersucht.

Für die Wärmedämmsysteme von Altbauten ermittelte Ökobau.dat für Mineralwolle eine energetische Amortisationszeit von 3 bis 8 Monaten, für EPS von 5 bis 14 Monaten. Eine Untersuchung der Deutschen Energieagentur (dena) unterstützt diese Einschätzung. Sie hat den Primärenergiebedarf für kunststoffhaltige Dämmstoffe inklusive Förderung des notwendigen Erdöls berechnet. Ergebnis: Auch in der dena-Untersuchung hat der oft kritisch gesehene Marktführer Polystyrol eine sehr positive Energiebilanz, die energetische Amortisation liegt bei 13 bis 23 Monaten.

Der Vorteil von Holz und anderen ökologischen Dämmstoffen liegt darin, dass es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt, die bei nachhaltiger Land- oder Forstwirtschaft nicht ausgehen werden. Aber auch ökologische Materialien wie Kork oder Wolle sind nicht beliebig verfügbar. Und sie konkurrieren häufig mit anderen Einsatzarten. Intensiv bewirtschaftete Monokulturen oder exzessiver Flächenverbrauch für den Anbau von Pflanzen für den Dämmstoffeinsatz sind mit ökologischen Anforderungen oft nicht vereinbar. Die Frage der Nachhaltigkeit ist bei Ökodämmstoffen daher nicht so einfach zu beantworten, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Noch komplizierter wird es, wenn man die Wirkung auf Wohngesundheit und Umweltverträglichkeit beurteilen möchte. Denn dabei müssen Faktoren wie z.B. Ausdünstungen in die Wohnräume beachtet werden, die auch bei ökologischen Dämmstoffen problematisch sein können. Hier kommt es auf die Anbauweise der Stoffe an, denn wenn z.B. bei Kork- oder Schafwolle viele Pestizide verwendet werden und bei der Konservierung gegen Zersetzung und Schädlingsbefall Chemikalien eingesetzt werden, trübt das die Bilanz erheblich. Entscheidend ist hier nicht nur das gewählte Material, sondern auch die jeweilige Einbausituation und die daraus folgenden Anforderungen. Auch wenn es dadurch komplex wird, kommt man um eine ganzheitliche Betrachtung nicht herum.

Bei der Entsorgung hinken die EPS-Systeme noch hinter den Ökodämmstoffen her, vieles wird hier erst erprobt. In den kommenden Jahrzehnten müssen noch passende Lösungen entwickelt werden. In der Zwischenzeit bleibt nur die thermische Behandlung und Verwendung der dabei entstehenden Wärmeenergie.

Bauherren haben heute eine große Auswahl an guten Lösungen. Die Dämmeigenschaften der Materialien werden kontinuierlich verbessert, inzwischen stoßen die Hersteller aber mit allen Materialien an die jeweiligen bau- und stoffphysikalischen Grenzen. Die Wärmeleitfähigkeit lässt sich nicht mehr wesentlich verbessern. Konventionelle und Ökodämmstoffe liegen dabei gar nicht weit auseinander. Die etwas schlechteren Dämmstoffeigenschaften der Ökodämmstoffe lassen sich durch mehr Dicke wettmachen. Wichtig ist es zu betonen, dass heute technisch ausgereifte Ökodämmstoff-Systeme zur Verfügung, die gut erprobt sind.

Die Entscheidung fällt der Bauherr meistens über den Preis. EPS ist am weitesten verbreitet, da es am kostengünstigsten ist. Mit der Ökobilanz zu argumentieren, um den Einsatz solcher Materialien zu verhindern und gegebenenfalls ganz auf eine Dämmung zu verzichten ist der falsche Weg und bringt uns den Umwelt- und Klimaschutzzielen nicht näher.

 

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Kommentare  

Produktdeklarationen werden vereinheitlicht » Wärmedämmverbundsystem | Info Montag, 01. August 2016 10:01
[…] kann zwar für Konsumgüter sinnvoll sein. Bei Bauprodukten wäre dieser aber irreführend, da die Gesamtbilanz des Gebäudes entscheidend ist. Dazu dienen die EPD die Grundlage für eine ganzheitliche Bilanzierung. PEF kann […]
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