Wie viel Prozent des Energieverbrauchs eines Gebäudes können durch eine moderne Wärmedämmung wirklich eingespart werden? Zu dieser Frage kursieren derzeit viele unterschiedliche Zahlen, die bei sanierungswilligen Hausbesitzern Verwirrung stiften.

Während die Fraktion der Skeptiker jegliche Einsparpotenziale anzweifelt, übertreiben manche Vertreter der Dämmbranche mit garantierten Einsparversprechen von 80 oder mehr Prozent, die nur per Dämmung erreicht werden sollen. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Es sind enorme Einsparpotenziale vorhanden, allerdings nur dann, wenn ein Gebäude ganzheitlich saniert wird und man die Gebäudehülle nicht losgelöst vom „Gesamtsystem Haus“ angeht.

Ohne gute Dämmung geht es nicht!

Die Grundvoraussetzung für ein energieeffizientes Haus ist und bleibt ein guter Wärmeschutz der Gebäudehülle. Da in der Regel die Außenwände einen großen Flächenanteil haben, ist der Dämmwert beziehungsweise die Dicke des Wandaufbaus und die jeweilige Dämmwirkung der verwendeten Materialien von entscheidender Bedeutung. Dicke Wände mit schlechter Dämmwirkung helfen genauso wenig wie viel Dämmung an einzelnen Bauteilen, die aber unterbrochen sind von ungedämmten Flächen, schlechten Fenstern und/ oder Wärmebrücken.

Typische Schwachstellen bei frisch gedämmten Häusern sind zum Beispiel ungedämmte oder auch nur ungenügend gedämmte Fensterlaibungen. Zur Hülle eines Hauses gehören natürlich auch die Kellerdecke und das Dach. Die Binsenweisheit, dass ein Gebäude rundrum gedämmt werden muss, damit der Wärmeschutz zuverlässig funktioniert, wird in der Baupraxis leider allzu oft vernachlässigt. Teilsanierungen werden dann als Beleg dafür genommen, dass die errechneten Einsparpotenziale nicht erreicht würden.

Die Fehler liegen 40 bis 50 Jahre zurück

Heute noch sind wir dabei, die Versäumnisse der Zeit zwischen Ende des 2. Weltkriegs und der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 aufzuarbeiten. In dieser Zeitspanne herrschte ein großer Nachholbedarf nach Wohnraum und die Energiepreise spielten keine Rolle. In der Folge wurden aus heutiger Sicht mangelhafte Gebäude errichtet, die bei weiter steigenden Energiepreisen in Zukunft nicht mehr bezahlbare Heizkosten verursachen werden.

Es dient deshalb auch der sozialen Vorsorge, diese Gebäude nachzurüsten, da ansonsten einkommensschwachen Haushalten nur noch das Zudrehen der Heizung als Option bleibt. Aber auch alle Klimaschutzkonzepte für Stadtteile, Kommunen oder Landkreise oder den bundesdeutschen Gebäudebestand insgesamt kommen zum gleichen Ergebnis: Ohne energetische Sanierung dieses Gebäudesegments kann keines der gesetzten Klimaschutzziele erreicht werden. Die Verbesserung der Gebäudehüllen steht dabei ganz oben auf jeder Agenda.

Ganzheitliche Sanierung ist gefragt

Wir dürfen aber nicht bei der Hülle stehenbleiben. Wenn wir die möglichen Einsparpotenziale bestmöglich erschließen wollen, müssen wir bei der Sanierung alle Aspekte eines Hauses betrachten – und überall Lösungen auf dem neuesten technischen Stand umsetzen. Dazu gehören neben einer gut gedämmten Gebäudehülle die Verwendung der neuesten Fenstergeneration, ein effizientes Heizungssystem, die aktive und passive Nutzung der Sonnenenergie und eine aktive Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Wenn all dies umgesetzt wird, dann sind auch Einsparpotenziale von 70 oder 80 Prozent möglich.

Für Gebäudebesitzer klingt das unter Umständen alles recht komplex und vage. Doch das muss es nicht: Man kann nämlich durchaus die Einsparpotenziale eines bestimmten Gebäudes konkret ermitteln und sich von einem Fachmann oder einer Fachfrau einen Sanierungsplan erstellen lassen. Es gibt genügend geschulte Architekten, Ingenieure und Energieberater, die dem Bauherrn hilfreich zur Seite stehen können.

Eine umfassende Analyse und die Aufarbeitung der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten – sprich eine gute Energieberatung – sollte auf jedem Fall am Anfang eines Sanierungsvorhabens stehen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man vor Projektbeginn hier nicht am falschen Ende sparen und sich einen erfahrenen Berater zur Seite nehmen.

 

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