Armin Scharf

Die Kunst des Dämmens

Armin Scharf, 16. Dezember 2013

Hochwertige Wärmedämm-Verbundsysteme kommen heute mit fast allen baulichen Vorgaben zurecht – und bieten Verarbeitern wie Bauherrn ein Maximum an Sicherheit. Auch hier gilt die einfache Rechnung: Qualität hat ihren Preis, billig ist der falsche Weg für Bauherren.

Wie kommt ein Dämmsystem an die Fassade? Auch wenn sich dies jetzt etwas banal anhört: Mit der Hand am Arm. Fakt ist, dass Bauen nach wie vor ein Prozess mit starker handwerklicher Prägung darstellt, bei dem industrielle Halbzeuge oder Produktsysteme in einen individuellen Rahmen eingepasst werden. Dies gilt auch für die Fassadendämmung, die vom handwerklichen Fachmann, vom Stuckateur, Maler, Bautenschützer oder Fassadenbauer sozusagen erst zum Leben erweckt wird. Und das gelingt in der Regel problemlos, denn die Systeme sind heute für nahezu alle Eventualitäten gerüstet – und taucht dann doch wieder ein neuer Spezialfall auf, dann stehen die Systemhersteller mit ihrer konstruktiven Kompetenz zur Seite.

Zumindest jene Hersteller, die über die eigene Jahresbilanz hinausdenken und das Bauen als verantwortungsvolle Aufgabe begreifen. Dort weiß man, dass gerade das Detail entscheidend für die Summe des Systems sein kann. Dazu gehören die Anschlüsse an Fenster, Türen, Rollläden, an der Attika oder am Dachüberstand, aber auch spezielle Elemente für die Montage von Leuchten, Sonnenschutz, Rankgittern, Pergolen. Wer hier als Hersteller oder Verarbeiter auf Bastelniveau vorgeht, wird früher oder später scheitern. Auch, weil diese vermeintlichen Problemlösungen die Systemhaftung gefährden. Was ist damit gemeint? Ganz einfach: Ein Wärmedämm-Verbundsystem besteht aus verschiedenen, genau aufeinander abgestimmten Einzelkomponenten und Detaillösungen.

Und genau dafür erhalten die Hersteller nach eingehender Prüfung durch die Bundesmaterialprüfungsanstalt eine so genannte „Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung“. Die bescheinigt, dass das System dem Stand der Technik entspricht und damit frei im Markt angeboten werden darf. Aber: Diese Zulassung gilt nur für das Gesamtsystem. Wer eine Komponente auslässt, ersetzt oder verändert, verliert damit die Zulassung – mehr noch, er verliert auch die Produkthaftung des Herstellers und bürdet sich ein immenses Schadensrisiko auf.

Kein erfahrener und auf Qualität bedachter Verarbeiter mischt daher leichtfertig einzelne Komponenten verschiedener Dämmsysteme oder Hersteller, auch wenn damit Preisvorteile beim Material einher gingen. Aber die sind meist nicht nur marginal, auch haben die Werkstoffkosten lediglich einen untergeordneten Einfluss auf den Endpreis. Schließlich überwiegen hier die Kosten für die Montage – so kann sich ein scheinbar kostspieligeres System dank rascherer Verarbeitung unter dem Strich als günstiger erweisen.

Ähnliches gilt für die Kosten, wenn man sie auf die gesamte Nutzungsdauer umrechnet: Ein Dämmsystem, das länger intakt ist, weniger Wartungskosten verursacht und dazu noch effizienter vor Wärmeverlust schützt, dürfte immer die bessere Wahl sein. Das freut auch den Verarbeiter, nicht weil er damit mehr Marge generieren kann, sondern dem Bauherren ein besseres Ergebnis ermöglicht.

Natürlich gibt es solche und solche Verarbeiter, die ihre Dienste zu unterschiedlichen Preisen feil bieten. Der Preis allein kann nicht das Vergabekriterium allein sein – die schlimmen Folgen dieser ausschließlichen Preisfixierung lassen sich bei öffentlichen Aufträgen regelmäßig studieren. Besser: Lassen Sie sich Referenzen nennen, schauen Sie diese real an, lassen Sie sich erläutern, wie Problemzonen gelöst werden und setzen Sie auf die Handwerker vor Ort. Damit bleibt übrigens auch die Wertschöpfung ihres Auftrages bei Ihnen vor Ort: Globales Denken (Klimaschutz) schließt lokales Handeln nicht aus. Ganz im Gegenteil.

 

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Kommentare  

Thomas Koch Donnerstag, 23. Januar 2014 22:12
Vielen Dank, das kann man nur unterstreichen: keine Mischsysteme. kleine Anmerkung: allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen erteilt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt)
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