Ronny Meyer

Der Wahnsinns-Journalismus geht weiter

Ronny Meyer, 27. November 2012

Die Bildzeitung steht als Synonym für Krawall-Schagzeilen und die meisten Menschen schmunzeln sehr oft darüber, wenn mal wieder eine Bild-Titelseite unsere volle Aufmerksamkeit bekommt, weil sie einfach sehr gut gemacht ist.

Den Bild-Titel “Wir sind Papst” kennt jeder. Dass jedoch das genaue Gegenteil der Fall ist (keiner von uns ist Papst), weiß auch jeder. Aber es ist, wie es ist: Ein guter Titel, ein spektakuläres Bild hebt die Quote beim Fernsehen, erhöht die Verkaufszahlen von Zeitungen. Gute Journalisten produzieren gute Schlagzeilen.

“Wärmedämmung – der Wahnsinn geht weiter” hieß gestern Abend der Teil 2 eines NDR-Beitrages, der erneut beweisen wollte, dass wir dringend die Finger von Wärmedämmverbundsystemen aus Polystyrol lassen sollten. Schon vor einem Jahr wurde unter dem Titel “Wahnsinn Wärmedämmung” dieselbe Aussage lautstark in Szene gesetzt: Wärmedämmung aus Polystyrol brennt so schnell, dass alle, die in solchen gedämmten Häusern wohnen, ab sofort in Angst und Schrecken leben: “An vielen Wänden tickt eine Zeitbombe”.

Wer solche Sätze in eine Reportage einwebt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es hier nicht um vernünftige Aufklärung, sondern eben nur um Quote geht. Jetzt haben wir also auch schon den Sensations-Journalismus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Meine Rundfunkgebühren würde ich gerne auf einer sachlichen Ebene eingesetzt sehen. Gerne pro und contra. Aber bitte nicht nur contra.

Es fällt schwer, auf die Flut der dramatisch inszenierten und mit polemischen Zitaten garnierten Bilder von brennenden Fassaden sachlich zu antworten. Eines vorab klargestellt: Jeder einzelne Wohnhausbrand ist dramatisch und soll nicht klein geredet werden. Doch wenn man schon die zehn oder zwanzig Brände von Fassaden, die mit Polystyrol gedämmt wurden, auflistet, sollte man auch aufzeigen, dass es den Anwendungstechnikern, Produktentwicklern, Architekten und Ingenieuren gelungen ist, eben die Anzahl der Brände winzig klein zu halten. Konkret: In Deutschland brennt es laut Statistik rund 200.000 mal im Jahr. Zehn Brände pro Jahr sind gerade mal 0,005 Prozent. Vermutlich ist das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, größer.

Die NDR-Redakteure, die sowohl für die Sendung vor einem Jahr als auch für die gestrige Sendung verantwortlich sind, haben sich nun geoutet: Sie wollen buchstäblich eine Fackel in Richtung energetische Modernisierung werfen. Der Grund dafür bleibt schleierhaft. Da ich selbst über 200 TV-Beiträge gemacht habe, weiß ich, wie Fernsehen funktioniert. Stellen Sie sich mal Folgendes vor: Eine Bausituation, bei der alles schief läuft: Die abgehängte Decke kommt runter, die Türzarge fällt auseinander, die Wasserleitung platzt. Eine Szene wie bei Dick und Doof.

Im Raum stehen fünf nachdenkliche Handwerker. Die Sprecherstimme sagt: “Die Deppen vom Bau haben mal wieder ganze Arbeit geleistet”. Wir sitzen vorm Fernseher und kichern uns einen, während wir einen Schluck aus der Pulle nehmen. Und jetzt ACHTUNG: Stellen Sie sich bitte folgenden, anderen Satz vor, den die Sprecherstimme sagt: “Da stehen Sie nun, die Vollprofis vom Bau, die dieses Chaos in nur einer Stunde sortiert und spätestens am nächsten Tag beseitigt haben.” Wir würden diese Mannschaft bewundern, wären gerne ein Teil dieser starken Truppe. Welche Macht doch so eine Sprecherstimme hat. Sie ist stärker als das Bild, das wir sehen.

Zurück zum Wahnsinn Wärmedämmung: In dem Film gestern wurden viele bereits gesendete Bilder aus dem ersten Teil gezeigt. Ja, ist denn zwischenzeitlich nichts mehr passiert? Gut, es gab einen neuen Brand am 29. Mai 2012. Aber hätte da die Sprecherstimme nicht sagen sollen, dass dieser Brand zwar sehr dramatisch war, aber es waren eben nicht hunderte oder tausende Brände – es war EIN Brand. Wieviele Verkehrsunfälle und Massenkarambolagen gab es in den vergangenen zwölf Monaten? Eine, zwei ...? Das Auto abschaffen, weil es eine Zeitbombe ist?

Für mich war der Beitrag ein Werbefilm für und nicht gegen Wärmedämmverbundsysteme aus Polystyrol. Ich bin gestern Abend mit der Gewissheit schlafen gegangen, dass die Entscheidung, dass ich mein Haus mit Polystyrol-Dämmplatten gedämmt habe, richtig war. Nicht nur, dass ich sehr viel Energie spare und meinen Teil zum Klimaschutz beitrage, nicht nur, dass ich seit der Dämmmaßnahme in einem sehr behaglichen Haus wohne, in dem ich auch nach intensiver Suche keinen Schimmel finden kann.

Zusätzlich weiß ich auch, dass die neuerdings oftmals hochgekochte Diskussion um die “Brandgefährlichkeit” von Dämmplatten tatsächlich Stimmungsmache von Einzelnen ist. Genauso wenig wie wir Papst sind, leben wir in brandgefährlichen Häusern.

Ich habe kürzlich “Upps, die Pannenshow” gesehen: Da ist bei Tante Marthas siebzigstem Geburtstag der festlich gedeckte Tisch zusammengebrochen und der Hund, der eigentlich ein Kunststück vorführen sollte, ist in der Torte gelandet. Was schließen wir daraus? Wir richten keine Geburtstagsfeiern mehr aus und schaffen alle Hunde ab. Nein. Im Ernst: Ich würde gerne eine sachliche Diskussion zum Thema energetische Modernisierung führen und tatsächlich die Vor- und Nachteile, die Wirtschaftlichkeit und die Ökologie der Dämmstoffproduktion bis zum Recycling diskutieren, um als Bauingenieur vernünftig beraten zu können.

Doch dafür brauchen wir belastbare Zahlen, die man in eine gesunde Relation rückt. Wir haben damals im Studium gelernt, dass man bei der Produktion von Waren in Kauf nimmt, dass eine bestimmte Menge der Produkte Fehler haben darf. Denn das perfekte Produkt, das hundert Prozent fehlerfrei ist, gibt es einfach nicht. Oder anders herum: Wenn es dieses Produkt geben würde, wäre es so teuer, dass es niemand kaufen könnte.

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn eine 45-Minuten-Reportage über die Gefährlichkeit von Wärmedämmung sehr viele alte Bilder und Szenen zeigt und immer wieder dieselben zwei, drei Architekten zu Wort kommen lässt, dann heißt das im Klartext, dass bei einer Wärmedämmung die Fehlerquote fast bei Null liegt. Das ist ein 1-A-Zertifikat.

Es gibt immer wieder die Behauptung, Wärmedämmung würde sich nicht rechnen. Das sagen aber nur Leute, die noch nie nachgerechnet haben. Es ist für eine aufgeklärte Welt unglaublich, dass man einem der wenigen Produkte, das sich tatsächlich rechnet, nachsagt, es würde sich nicht rechnen. Genauso, wie auch in der Sendung von gestern Abend fast die Hälfte der Sendezeit über die Wohnungslüftung gesprochen wurde (offenbar hatte man tatsächlich zu wenig Negatives über Wärmedämmung zusammentragen können, und musste noch ein weiteres Fass aufmachen).

Die aberwitzige Floskel, dass eine Fassadendämmung das Haus dicht machen würde und man deshalb eine Lüftungsanlage brauche, wurde in technisch absurde Zusammenhänge gestellt und von einem Architekten so kommentiert, dass dies vielleicht Tante Martha glaubt – technisch versierte Menschen schütteln nur den Kopf.

Das einzige Thema, das man tatsächlich diskutieren muss, ist die Sache mit den Algen. Auf gedämmten Fassaden können sich Algen bilden. Das vorliegende Zahlenmaterial und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind aber meines Erachtens zu wenig, um eine Pauschalaussage gegen Wärmedämmung treffen zu können. Hier würde ich mich sehr gerne auf eine sachliche Diskussion einlassen.

Doch bereits an dieser Stelle muss Folgendes betont werden: Genauso, wie es ungespritzte Äpfel gibt, kann man auch biozidfreie Fassadendämmsysteme kaufen. In unserer Kleidung, im Haarschampoo und vermutlich noch in Millionen anderen Produkten steckt aus unterschiedlichen Gründen sehr viel Chemie. Wollen wir wirklich alles dies verteufeln? Wann kommt die Reportage “Wahnsinn Wintermantel?” Denn Wintermäntel brennen auch. Und bei irgendeiner Silvesterfeier wird sich schon einer irgendwo entzünden.

 

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Kommentare  

Marc Dienstag, 25. November 2014 19:49
Sehr geehrter Herr Meyer, ich danke Ihnen für die sachliche Antwort, die ich ebenso sachlich beantworten möchte. Ich bin ebenfalls für guten Journalismus und nicht dafür, einfach gegen etwas schreiben, nur weil andere für etwas schreiben. Doch wenn ein System nicht funktioniert, dann muß das auch so gesagt werden dürfen und wenn es murks ist, dann eben auch. Ich schaue nicht lieber “Action-TV” als Anderes. “Action-TV” schaue ich ausgesprochen selten. Ich bin mir auch sicher, dass es immer wieder zu Bränden kommen wird. In früheren Jahrhunderten jedoch wurden Holzschindeln aus diesem Grund verboten und heutzutage wird beschlossen, daß Polystyrol unbenklich sei. Und das, obwohl Polystyrol - nachweislich - hervorragend brennt! Es geht mir ja nicht darum, gar nicht zu dämmen, sondern anders Energien zu sparen, z.B. durch Dämmen des Daches, den Einbau modernerer Fenster, einer neuen Heizung UND - z.B. diese Heizstrahler vor den Kneipen und auf Advenstmärkten auszuschalten. Bei der Dämmung der Fassade scheint die Amortisierung, siehe die beiden Berichte von Dieter Könnes sich erst nach 35-50 Jahren zu ergeben. Ich jedenfalls finde den Beitrag des NDR sachlich. Ich kann nur nicht nachvollziehen, daß die Brandgefahr dermaßen verharmlost wird. Dabei rede ich nicht von der absoluten Zahl sondern von der Auswirkung eines einzigen Brandes.Ich habe mir den zweiten Film des Nov. 2012 noch einmal angesehen. Die Brände in Frankfurt waren verheerend. Zum Glück war niemand im Gebäude. Es gab dann noch weitere Brände, z.B. in Garbsen und Hamburg. Und wenn dann davon gesprochen wird, daß Brände halt passieren und überhaupt nicht auf das Ausmaß der Brände eingegangen wird und irgendwelche Nebensächlichkeiten, wie z.B. das das Gebäude noch nicht komplett armiert und verputzt war, ja, das macht mich hilflos und wütend. Ich finde das ignorant. Der besagte Film hat nicht nur wenige Neuigkeiten, wie oben behaupetet, sondern derer viele: z.B.: - wie die Einstufung "schwer entflammbar" zustande gekommen ist. Und, daß diese nur für nicht verbautes Polystyrol gilt. Für verbautes Polystyrol gelten - so wird sachlich und nachvollziehbar gezeigt - ganz andere Materialeigenschaften. Der Brandexperte Kotthoff wird gezeigt, wie er im Vortrag darlegt, aufgrund welcher Umstände die Systeme versagen. In Europa hat Polystyrol die Einstufung "entflammbar". Dort darf dieser nicht verwendet werden. - wie die Minister beschließen, daß die Maßnahmen ausreichend seien. INteressanterweise - so der Beitrag - stand das schon vorab in einem Rundschreiben des Verbandes WDVS - es werden andere Materialien: Mineralwolle und andere Baustoffe mit zweischaliger Wand gezeigt - ein Musterprojekt in DO – eines mit Ziegeln, eines mit Polystyrol - gesagt, daß die Vorteile von Polystyrol vor allem theoretisch ermittelt wurden. Und das das im krassen Gegensatz zu dem steht, wie sich die Materialien tatsächlich verhalten. - es werden nicht wie, oben behauptet - einer, sondern mehrere Sachverständige aufgesucht und befragt. Einer von Ihnen sagt: "Unverständlich, das wir als Gesellschaft nicht reagieren". - zwei Stoffe Terbothryn (?) und HBCD erwähnt, die überall sonst verboten sind, nur bei Dämmaterialien. Beide - so wird nachgewiesen - sind sehr sehr problematische Stoffe, einer kann dazu führen, "daß sie Gewässer derart schädigen, daß sie veröden." Es wird auch die Zunahme der Gewässerbelastung durch Terbothryn gezeigt. von 300 g - vor Berlin - steigt sie auf 39 Kg ! - gesagt, daß es bislang keine Entsorgung gebe! - durch die luftdichte Gebäudehülle entstehen neue Probleme , die wiederum auf z.T. fragwürdige Weise 'gelöst' werden, durch Techniken mit dauerhaften Kosten und neuer Schimmelbildung. Ein Besuch in den Niederlanden bestätigt dies. Herr Meyer, wie kommen Sie nach all den Themen, die ich auflisten kann darauf, daß in dem zweiten Beitrag nichts Neues berichtet wurde? Ihren Film schaue ich mir gerne an, jedoch nicht diese Woche. Ich gehe mal davon aus, daß die Journalisten gründlich recherchiert haben und alles belegen können, was dort behauptet wurde. Von Krawall-Schlagzeilen habe ich nichts wahrgenommen. Wenn es dort heißt: "wird dort etwa Als wärmedämm-System zugelassener Brandbeschleuniger verbaut", dann ist für mich die Antwort eindeutig. Und: mir scheint, daß ein neutrales Fazit gezogen worden ist, nämlich, daß der Dämmstoff Polystyrol und das Verputzen mit Bioziden aus Gründen der Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit (!) ein absoluter Wahnsinn sind, der nur Sinn macht, wenn denjenigen, die daran Profitieren, die Gewinne wichtiger zu sein scheinen, als ein Menschenleben. Vor 2-3 Jahren ist in Barsinghausen eine Polystyrol-Fabrik abgebrannt. In der Zeitung stand, daß die Feuerwehr nur mit Atemschutz löschen konnte und z.T. Lebensgefahr bestand. Was sagen denn Si e zu der Brandgefahr und den Giften, die nachwieslich unsere Gewässer belasten? V.i.S.d.P.
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Ronny Meyer Montag, 24. November 2014 17:45
Lieber Marc, meine Antwort – auf viele Deiner Punkte: Meiner Meinung nach sollte guter Journalismus nicht einfach gegen etwas schreiben, nur weil andere für etwas schreiben. Vielmehr sehe ich die Aufgabe der Presse darin, neutral und sachlich aufzuklären. Das hieße, die verschiedenen Argumente (pro wie contra) zusammenzutragen, zu gewichten und dann ein neutrales Fazit zu ziehen, um zu informieren und um Orientierung zu geben. Was ist richtig? Was ist falsch? Einfach nur Anti-Argumente – ob wahr oder unwahr – mit einseitigen Stimmungsbildern zu senden, ist in meinen Augen nicht nur kein guter Journalismus, sondern es ist überhaupt kein Journalismus. Ich selbst arbeite seit fast 15 Jahren fürs Fernsehen und meine häufiger gemachten Vorschläge, eine sachliche, journalistisch saubere Reportage zur WDVS/Energiespar-Thematik zu machen, wurde von unterschiedlichen Redaktionen regelmäßig abgelehnt. Es ist kein Geheimnis, dass nur “bad news” “good news” sind. Und: Wir alle schauen abends lieber “Action-TV” statt “Hörsaal-TV”. Oder? Liegt eventuell hier das Problem? Ich habe als verantwortlicher Redakteur eine – in meinen Augen – ehrliche Reportage zum Thema WDVS produziert, die man unter www.modernisierungsoffensive.tv anschauen kann. Jede Aussage in diesem Film kann gern hinterfragt und kommentiert werden. Ich werde mich hier bei einer sachlichen Diskussion nicht wegducken. Unsere “Einschaltquote” liegt leider erst bei knapp 700 Klicks. Bitte lieber Marc, schauen Sie sich diese 43-Minuten-Sendung an und sagen Sie mir sachlich, was Ihnen an den Aussagen im Film eventuell nicht schmeckt. Ich werde Ihnen genauso sachlich antworten. Es muss doch möglich sein, diese WDVS-Diskussion irgendwann zu beenden, da es de facto wirklich wichtigeres in dieser Welt zu regeln gibt (zum Beispiel der altersgerechte Umbau unserer Häuser) – das nur nebenbei. Zur Brandgefahr: Wenn wir jetzt sofort komplett auf WDVS verzichten würden, wieviele Brände hätten wir dann pro Jahr weniger? Statt 180.000 nur noch 179.990? Das ist jetzt nicht polemisch gemeint, soll nur zeigen, dass wir – wenn wir es mit dem Brandschutz wirklich ernst meinen – die Brandursachen ins Augen fassen, die ganz oben auf der Liste in der Statistik stehen und nicht die, die ganz unten aufgelistet sind. Die Brandgefahr durch WDVS soll und darf nicht kleingeredet oder verschwiegen werden. Tatsächlich ist es aber nun mal so, dass es immer wieder zu Bränden kommen wird. Es ist schlicht unmöglich, Häuser so zu bauen und so zu bewohnen, dass das Brandrisiko auf Null sinkt. Dafür müssten zuerst Kerzen, Elektrogeräte und Gasherde verboten werden, rauchen sowieso und Möbel statt aus Holz aus Beton sein. Es gilt also, das Risiko vernünftig zu bewerten – und ein Indikator dafür ist nun mal der statistische Anteil: Und Brände mit WDVS an der Zahl sind sehr gering. Auch noch einmal zur Amortisation und der Dämmung eines Hauses: Selbstverständlich spricht sich kein Ernst zu nehmender Energieberater dafür aus, nur die Fassade zu dämmen und alles andere sein zu lassen. Es geht immer um das objektspezifisch beste Konzept aus Verbesserung der Heizanlage und Verbesserung der Gebäudehülle – bestehend aus Dach, Keller und Fassade inklusive der Fenster. Eine bestimmte Gruppe will offenbar einfach nicht hören, dass die, die für die Fassadendämmung sprechen, dies nicht als alleinige Maßnahme sehen. Und was auch immer wieder gesagt wird: Zu berücksichtigen sind hier auch die „Ohnehin-Kosten“, also die Kosten, die zu zahlen sind, um eine Fassade instand zu setzten damit die Immobilie dauerhaft nutzbar und der Wert erhalten bleibt. Und nicht zu vergessen der Wertzuwachs, den der Eigenheimbesitzer auf der Habenseite hat. Fragen Sie mal einen Makler, welche Häuser bessere Verkaufspreise erzielen: Das ungedämmte Haus mit alter Heizung oder der sanierte Bau mit schöner Dämmfassade, neuen Fenstern und moderner Heizung? Viele Grüße Ronny Meyer
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Marc Mittwoch, 19. November 2014 21:50
Ich habe den Artikel gelesen und möchte darauf schreiben: Ich bringe im Folgenden ein Zitat nach dem Anderen und gehe dann darauf ein: Es wird geschrieben: Das Auto abschaffen, weil es eine Zeitbombe ist? Das Auto ist eine Zeitbombe und es dennoch weiterhin in dem bisherigen Maße zu fördern, scheint mir absurd. Die Schiene statt wie bisher nachhaltig zu schwächen, sondern in Zukunft zu stärken, scheint mir an der Zeit. Doch das Güterverkehrsnetz wurde bereits zum Teil irreversiebel (Durch Bau von Häusern auf ehemaligen Strecken) erheblich zurückgebaut. Ebenso sinnvoll, ein bestehendes System auf vorhandene Schwächen zu untersuchen. Der Autor möchte nicht, daß nur negativ berichtet wird. Die Industrie berichtet ja schon positiv über Polystyrol, der NDR braucht dies nicht mehr zu tun. "Sie wollen buchstäblich eine Fackel in Richtung energetische Modernisierung werfen. Der Grund dafür bleibt schleierhaft. " Diese Aussage möchte ich hinterfragen und bitte um einen Beleg. Was wohl ist der Grund, wenn bereits - zum Zeitpunkt des zweiten Beitrags 22 Häuser abgebrant waren - vor der Brandgefahr zu warnen? Soll es etwa heißen: Okay, Polystyrol brennt, doch schließlich sterben wir alle einmal? Die Chance in einem Gebäude, daß mit Polystyrol abbrennt, zu überleben, scheinen mir deutlich geringer, als wenn nur der Tisch brennt. Beim Brand von Polystyrol werden so giftige Gase frei, daß nach 2-3 Atemzügen Gefahr besteht, umzukippen und sich nich mehr außer Gefahr bringen zu können! "In dem Film gestern wurden viele bereits gesendete Bilder aus dem ersten Teil gezeigt. " Wie viele waren es tatsächlich? Ich kann mich an die Beiträge sehr gut erinnern, ja es gab Wiederholungen, nicht jeder hat wohl den ersten Beitrag gesehen. Doch es gab auch Neues: Z.B. die Starke Verbreitung der in der Armierung aufgetragenen Giftstoffe in den Flüssen im Berliner Raum in nur kurzer Zeit. Einer der Giftstoffe ist nur bei der Polystyrol-Armierung zugelassen, in allen anderen industriellen Zwekcen ist er verboten? Wie wohl kommt dies? "Es waren eben nicht hunderte oder tausende Brände – es war EIN Brand. Wieviele Verkehrsunfälle und Massenkarambolagen gab es in den vergangenen zwölf Monaten?" Tja, das stimmt leider nicht, der Beitrag behauptet, daß zwischen 1990 und dem ersten Film 10 Brände gab, zwischen dem ersten und zweiten (12 Monate) dagegen 12! eine sehr deutliche Zunahme. Zu: "“Upps, die Pannenshow” gesehen: Da ist bei Tante Marthas siebzigstem Geburtstag der festlich gedeckte Tisch zusammengebrochen und der Hund, der eigentlich ein Kunststück vorführen sollte, ist in der Torte gelandet. Was schließen wir daraus? " Das bei dem einen ein Hund mit Sahne beschmiert war, bei dem anderen Menschenleben zuende gegangen sind. Diese Argumentation finde ich komplett unsachlich. "Es gibt immer wieder die Behauptung, Wärmedämmung würde sich nicht rechnen. Das einzige Thema, das man tatsächlich diskutieren muss, ist die Sache mit den Algen. " Das sehe ich anders, zum einen ist da die Verteilung der Gifte, zum anderen die nachvollziehbare Schimmelbildung, die Brandgefahr und die Frage, wie lange die Systeme tatsächlich halten. Die Garantie beträgt fünf Jahre, das wird wohl seine Gründe haben. Die Algi- und Fungizide sind nach dem Bericht nach fünf Jahren ausgewaschen. Ab da ist mit vermehrter Schimmelbildung zu rechnen. Und der Frage, wie effektiv die Dämmung ist, ist der Reporter Könnes vom WDR nachgegangen. Versprochen werden 70% und mehr. fakt ist: Man kann über die Außenfassade nicht mehr dämmen, als diese Fläche an der Gesamtfläche einer Wohnung ausmacht. Die Decke und der Boden werden nämlcih nicht gedämmt. Diese sind auch in die Berechnung mit einzubeziehen! Außerdem gab es in WEißwasser ein Haus, das zu Testzwecken mit Polystyrol gedämmt war und absichtlich in Brand gesteckt werden sollte. Der Test wurde kurzfristig abgesagt. Die SZ schreibt: Teile der Baubranche befürchten, durch eine Gesetzesreform Einbußen zu erleiden. - so fürchtet man in der Ziegel- und Mauerwerksindustrie - mit monolithischen Wandbaustoffen wie Porenbeton oder Mauerziegeln praktisch nicht mehr erreichbar sind. Okay, es gibt eine Lobby, die die Gesetze zugunsten älterer Systeme korrigieren möchte. Daraus allerdings zu schließen, daß es für die Einführung der Novelle für die Dämmung, die zum verstärkten Einsatz von Polystyrol führte, keine Lobby gab, scheint mir wenig realistisch. Und abschließend: Wie neutral kann ein Artikel sein, der für den Einsatz von WDS wirbt? Bin mal gespannt, wie mutig der Moderator ist, meinen Kommentar zu veröffentlichen! Schöne Grüße, Marc-
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Mark Montag, 10. Dezember 2012 12:35
Die Argumentation mit den "Unmengen an Sondermüll" kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Man kann annehmen, dass bei einer mit Styropor gedämmten Fassade ca. 50 m² Dämmstoff pro Kopf anfallen. Die durschnittliche Dicke liegt bei ca. 12 cm. Wenn wir jetzt ansetzen, dass das WDVS tatsächlich nur 30 Jahre halte und dann entsorgt werden müsse, ergibt sich folgende "Müll"menge pro Kopf: 50 m² x 0,12 m x 0,17 kg/m³ / 30 Jahre = ca. 3,5 kg EPS pro Jahr oder 3,5 kg / 25 Wochen = ca. 150 Gramm Wertstoffabfall pro Gelber Sack. Dieser "Abfall" hat dann immerhin mindestens 30 Jahre lang Energie eingespart und die Außenwand vor Witterungseinflüssen geschützt. Zum Vergleich: Pro Kopf werden in Deutschland jährlich rund 140 kg Wertstoffe entsorgt, die zum größten Teil nur den Sinn hatten, ein Produkt kurzfristig zu schützen oder optisch zu veredeln. Es gibt sicherlich andere "Müllbaustellen" als Dämm- bzw. Baustoffe.
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Helmut Freitag, 07. Dezember 2012 15:13
Zum Thema Recycling: Also mir sind die Styroporplatten auf der Wand, tausend mal lieber, als die verwendung als Verpackungsmaterial von Weinflaschen oder Fernsehern. An des Fassaden meines Hauses "benutze" ich die Platten zum Wärmeschutz seit über 30 Jahren ohne ein Problem. Verwendet man Styropor als Verpackungsmaterial, wird es für den einmaligen Bedarf produziert und dann weggeschmissen. Im Übrigen: Ich konnte mit der Wärmedämmung die Heizkosten um mehr als 50 % reduzieren. Von 4000 Liter Heizöl vor der Dämmung (1981) auf heute 1800 Liter.
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Andy Dienstag, 27. November 2012 23:17
Welche Fassadendämmmung würden sie Empfehlen um das Taupunktproblem zu umgehen. Ich möchte auf Biozide verzichten.
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Darko Kosic Dienstag, 27. November 2012 17:01
Hmmm, wieso habe ich das Gefühl, dass es dem obigen Autor des Pro-WDVS-Beitrages etwas an Neutralität fehlt ...? Nur ein Beispiel: Ob sich WDV-Systeme rechnen oder nicht rechnen, lässt sich ja wohl kaum pauschal mit "JA, immer" oder "NEIN, niemals" beantworten - alleine schon deswegen, weil dies von verschiedenen Faktoren abhängt wie - ursprünglicher energetischer Zustand des Gebäudes - Besonderheiten des Objektes - Lebensdauer von sowie Wartungsintervalle an WDV-Systemen etc. Mir scheint jedoch der NDR-Beitrag näher an der Wahrheit zu sein, zumal selbst Bundesministerien nicht davon ausgehen, dass in der Baupraxis Energie-Einsparungen von 90 und mehr Prozent realistisch sind. Namhafte Architekten bezeichnen sie sogar als "reine Werbeaussage". Die reale Einsparung soll ja lediglich bei durchschnittlich ca. 20-25 Prozent liegen, sofern ich das noch richtig in Erinnerung habe. Kurzum: Theoretisch rechnen ist das Eine, die tatsächliche Einsparung am konkreten Objekt liegt zumeist darunter. Ich finde, dass der NDR-Beitrag zumindest den Finger auf die richtigen und in der Praxis sattsam bekannten Wunden (Brandschutz, Recycling, Wohngesundheit etc.) legt - und alleine schon deswegen meine GEZ-Gebühr durchaus rechtfertigt. Und der Vorwurf, dass der Beitrag zu sehr publikumswirksam und zu wenig fachorientiert ist, erscheint mir doch reichlich albern. Es ist aus meiner Sicht durchaus in Ordnung, wenn bestimmte Fachthemen in einer auch für den Laien verständlichen Sprache vermittelt werden.
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Silke Thole Dienstag, 27. November 2012 20:01
Hallo Herr Kosic. Von Energieeinsparungen von 90 Prozent und mehr ist weder in diesem Beitrag noch auf der gesamten Webpräsenz die Rede. Und es wird auch nicht behauptet, dass sich WDVS generell rechnen. Mehr dazu finden Sie unter https://wdvs.enbausa.de/category/fakten/wirtschaftlichkeit.
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Darko Kosic Dienstag, 27. November 2012 23:47
Hallo Frau Thole, vielen Dank für den Link zu den weitergehenden Informationen. Die dortigen Ausführungen gefallen mir gut! Sie klingen logisch und sind in einer angenehm unaufgeregten Tonart verfasst. Übrigens: Die "bis zu 90 Prozent und mehr Einsparung"-Aussagen stammen von einzelnen WDVS-Herstellern - sind also im Markt gängig, wenn auch wenig seriös.
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Mark Freitag, 30. November 2012 10:42
@ Darko Kosic Hmmm, wieso habe ich das Gefühl, dass es Ihnen bzw. dako pr etwas an Neutralität fehlt …? ;) http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geleakte-unterlagen-so-wollen-lobbyisten-gesetze-aendern-1.1324786
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Darko Kosic Samstag, 15. Dezember 2012 03:26
@Mark: Vielen Dank für die kostenfreie Nennung des Agenturnamens. ;-) Und danke auch für den Link: Gute Kampagnen kann man gar nicht oft genug erwähnen ... ;-)
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Junker Jörg Dienstag, 27. November 2012 14:05
Kurze Anmerkung zum Thema Recycling: Es gibt ein Forschungsprojekt vom FV WDVS zu dem Thema, man ist intensiv dran, für die Zukunft Lösungen zu erarbeiten.
Antworten
jozi Montag, 11. März 2013 17:42
Polystyrol auch EPS wird seit langem recycliert zu EPS Platten und Formteilen. Der Hinweis auf Sondermüll ist Unsinn.
Antworten
Claus Szypura Dienstag, 27. November 2012 13:52
Guter Artikel, gut geschrieben! Und wer mit welcher Intention für diesen oben beschriebenen Mist verantwortlich ist, werden wir noch erfahren. Ist gebukkmarkt und ich komme darauf zurück :)
Antworten
Hans Dienstag, 27. November 2012 12:26
Was mich an WDVS stört, ist die Recycling-Fähigkeit. Was mache ich damit wenn das Gebäude mal abgebrochen wird. Kommen da nicht Berge von Sondermüll auf uns zu ?
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Markus Patschke Dienstag, 27. November 2012 12:51
Kurze Anmerkung zu Hans: Man sollte das "Recycling-Problem" nicht zum Entscheidungskriterium machen. Ein WDVS sollte lange Zeit seine guten Dienste tun. Damit werden Rohstoffe in erheblicher Menge eingespart. Auch in Zukunft wird die technische und infrastrukturelle Weiterentwicklung fortschreiten (Cradle-to-cradle-Prozesse sind noch relativ neu). Meine Prognose: Abgängige WDVS werden zu künftigen Rohstofflieferanten! Nur im ungünstigsten Fall würden sie thermisch verwertet.
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