Ronny Meyer

Der Blog-Rock vom Hot-Dog

Ronny Meyer, 05. März 2015

Von Flensburg bis Passau, von Aachen bis Cottbus sind ungezählte Medien in den Protestchor gegen das Dämmen unserer Häuser eingestimmt. Wie einst manch wütender Liedermacher mit seiner Gitarre gegen den Kalten Krieg gesungen hatte, schlagen die Dämmkritiker mit ihrer Computertastatur harte Töne gegen warme Wände an.

Es ist inzwischen wie eine Epidemie, die vor knapp drei Jahren mit einer dramatisch inszenierten Fernsehreportage über den Brand einer halb fertig gestellten Fassadendämmung ausgelöst wurde. Man muss hierzu nichts mehr erklären. Jeder kann schnell herausfinden, dass es im Kern nur vier Journalisten und zwei Dämmkritiker waren, die mit ihren nicht immer ganz richtigen Aussagen und den noch zweifelhafteren Schlussfolgerungen eine stetig wachsende Aufmerksamkeit bekamen. Das Karussell begann sich zu drehen.

Dennoch: Dass es möglich ist, eine Dämmplatte, die ja eher ein technisch-sachlicher Gegenstand ist, derart emotional in den Fokus zu rücken, ist ein kaum erklärbares Phänomen. Man kann nur staunen, denn das ist die eigentliche Geschichte. Es erinnert mich schon fast an die Beatles: Egal, wo die Pilzköpfe auftauchten, das Gekreische (vor Begeisterung) war groß. Wenn heute jemand das Wort “Dämmplatte” sagt oder schreibt, ist das Gekreische ebenfalls groß – allerdings vor Entsetzen. Doch genauso wenig wie John, Paul, George und Ringo Götter waren, sind Polystyrol, Glaswolle, Steinwolle und Extruderschaumstoff vom Teufel gemacht (wobei ich mir bei den Beatles dann doch nicht so ganz sicher bin).

Wie schön es wäre, wenn wir einfach wieder zur Vernunft kämen? Und dann wieder zu einer gewissen Fröhlichkeit, denn über die ausgeklügelten, bautechnischen Möglichkeiten, die wir heute haben, könnten wir uns freuen – anstatt immer nur das Haar in der Suppe zu suchen.

Lasst uns auf die Fakten schauen:

Auch wenn die Energiepreise aktuell unter denen von 2013 liegen, so ist doch erkennbar, dass Energie im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer teurer geworden ist. Ein kurzfristiger Rückgang der Energiepreise ist hinterlistig. Es ist wie bei heftigen Zahnschmerzen, die für ein paar Stunden verschwunden sind.

Hinterlistig und leise
Steigen die Energiepreise
Es wird allerhöchste Zeit
Wir wollen raus aus der Energieabhängigkeit


Ja, die Abhängigkeit von Energielieferanten wird in der Dämm-Diskussion fast immer ausgeblendet, die Gleichung “Verzicht auf Dämmung = hohe Energieabhängigkeit” wird schnell vergessen.

Stattdessen wird von schillernden “Experten” erklärt, dass Dämmung gar nicht dämmen würde. Upps. Das ist natürlich zunächst mal eine sehr spektakuläre Aussage. Würde jemand erklären, dass Wasser gar nicht nass ist oder ein Ball niemals rollen kann, dann könnten das höchstens die glauben, die diese Aussagen nicht prüfen könnten. Ob es die überhaupt gibt? Denn einfach einen Finger ins Glas tauchen oder sich einen Ball besorgen ... und die Sache wäre klar.

Aber wie sollen wir prüfen, wie gut Dämmung dämmt? Wenn ein Professor und ein Architekt Heizkostenabrechnungen in die Fernsehkamera halten und mit Stirnrunzeln immer wieder ihren “Dämmung dämmt nicht”-Satz wiederholen, dann beeindruckt das zunächst einmal jeden Zuschauer – bis sich die Meinung “es wird ja sowieso viel zu viel gedämmt” verfestigt. Ganz ohne Fakten-Check.

Manchmal hilft dann ein einfaches Beispiel. Nehmen wir mal einen Hot-Dog. Welche Funktion hat eigentlich das Hot-Dog-Brötchen? Dieselbe wie eine Bettdecke und ein Mantel: Es hält warm, in diesem Fall die Wurst. Das Brötchen ist der Dämmschutz – zumindest bis zum letzten Bissen.

A propos Wurst – wir hätten hier einen Text-Vorschlag für den nächsten Song von Conchita Wurst:

Das Brötchen ist bestens prädestiniert
Dafür zu sorgen, dass die Wurst keine Wärme verliert
Und weil das auch bei jedem Haus funktioniert
Werden Dächer und Fassaden
Wärmegedämmt und modernisiert


Conchita, wenn Sie künftig im Brötchen-Mantel auftreten, könnten Sie Lady Gagas Auftritt vor fünf Jahren bei den MTV Music Awards im Fleischkleid locker toppen. Die Quote wäre mindestens stabil. Übrigens ist dies ein Wink an alle Journalistinnen und Journalisten vom Flensburger Tageblatt bis zur Passauer Neuen Presse, von der Aachener Zeitung bis zur Berliner Morgenpost.

Wenn die Anti-Dämm-Welle demnächst abebbt, könnt Ihr nahtlos auf der Pro-Dämm-Welle ganz einfach weitersurfen. Und wenn Ihr jetzt keine Ahnung habt, wie das klingen könnte, dann hört doch einfach schon mal rein – Der Blog-Rock “Das Hot-Dog-Haus”:
http://www.modernisierungsoffensive.com/index.php/ronny/musik (in der Rubrik “Energiesparradio” auf “Hot-Dog-Haus” klicken)

Und nicht vergessen:

Brotkleid bleibt Brotkleid, und Brautkleid bleibt Brautkleid.

 

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