Ronny Meyer

Danke Greta: Es geht ein Ruck durch Deutschland

Ronny Meyer, 10. Mai 2019

Vor gut einer Woche, am 2. Mai 2019, hat der Gemeinderat von Konstanz den „Klimanotstand“ in der Stadt ausgerufen. „Konstanz ist damit nach Angaben der Ortsgruppe der Klimaschutzbewegung ‚Fridays for Future‘ die erste Stadt in Deutschland, die einen solchen Schritt geht“, schreibt das online-Portal www.tag24.de.

Am Tag davor hatte das britische Unterhaus den symobolischen „Klimanotstand“ ausgerufen. Konstanz geht hierbei einen Schritt weiter als die Briten und betont, dass der Ausruf des „Klimanotstandes“ kein Symbolakt sei, sondern dass jetzt Taten folgen. Der Gemeinderat erklärt „die Eindämmung der Klimakrise und ihrer schwerwiegenden Folgen zur Aufgabe von höchster Priorität“, so www.tag24.de weiter. Städte wie Leipzig, Erlangen und Heidelberg sind jetzt offenbar unter Zustimmung ihrer jeweiligen Oberbürgermeister auch dabei. Facebook-Post von heute: https://de-de.facebook.com/XRHeidelberg/

Immer mehr regionale Player werden in Sachen Klimaschutz aktiv

Während der Passivhaustagung in Heidelberg erläuterte heute vor genau einer Woche Christiane Staab, Bürgermeisterin aus Walldorf (Baden-Württemberg), dass die Stadt schon seit langem im Zusammenhang mit dem großen Zukunftsthema „Klimaschutz“ beispielsweise energetisch kluges Bauen und Sanieren in vielfältiger Weise fördere. Der Slogan dazu: „Gute Ideen, Gutes Klima. Walldorf.“   

Am Dienstag dieser Woche trommelte der Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Landau-Land (Pfalz) Sebastian Bauer-Bahrdt rund 50 Vertreter aus dem Handwerk, der regionalen Sparkassen und Banken, der Verbraucherzentrale, der Energieagenturen sowie Energieberater und Architekten zusammen. Ziel: Gemeinsam mit den Bürgermeistern Torsten Blank und Fritz Garrecht wird unter dem Titel „Modernisierungsoffensive Landau-Land & Landau in der Pfalz“ eine „Regionale Allianz für Energieeffizienz und Klimaschutz“ ins Leben gerufen.

Vermutlich lässt sich die Liste der regionalen Klimaschutz-Aktivitäten endlos fortsetzen. Was parallel dazu die Bundespolitik in puncto Klimaschutz absondert, sind letztlich leere Worte ohne Wirkung. An der Basis ist dafür umso mehr Verbindlichkeit erlebbar. Ein großer Dank der wahren Klimakanzlerin Greta Thunberg, der es gelungen ist, Bewegung in dieses wichtige Thema zu bringen. Oder, um mit den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zu sprechen, der 1997 die Vision eines Rucks hatte, der durch Deutschland gehen müsse, erkennen wir heute: Es ist soweit: Es geht ein Ruck durch Deutschland.

Es ging damals bei Roman Herzogs Rede um Aufbruch, um Neues. Seine Erkenntnis, heute so aktuell wie damals: „Wir leiden darunter, dass die Diskussionen bei uns bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden – teils ideologisiert, teils einfach idiotisiert. Solche Debatten führen nicht mehr zu Entscheidungen, sondern sie münden in Rituale, die immer wieder nach dem gleichen Muster ablaufen, nach einer Art Sieben-Stufen-Programm:

Am Anfang steht ein Vorschlag, der irgendeiner Interessengruppe Opfer abverlangen würde.

Die Medien melden eine Welle kollektiver Empörung.

Spätestens jetzt springen die politischen Parteien auf das Thema auf, die einen dafür, die anderen dagegen.

Die nächste Phase produziert ein Wirrwarr von Alternativvorschlägen und Aktionismen aller Art, bis hin zu Massendemonstrationen, Unterschriftensammlungen und zweifelhaften Blitzumfragen.

Es folgt allgemeine Unübersichtlichkeit, die Bürger werden verunsichert.

Nunmehr erschallen von allen Seiten Appelle zur Besonnenheit.

Am Ende steht meist die Vertagung des Problems. Der Status quo setzt sich durch. Alle warten auf das nächste Thema.“

Doch in einem Punkt irrte Roman Herzog: Seine These „Was im Laboratorium Berlin nicht gelingt, das wird auch in ganz Deutschland nicht gelingen“ wird beim Thema „Klimaschutz“ gerade auf den Kopf gestellt: Die Menschen gehen wieder auf die Straße, es ist eine Bewegung an der Basis. Berlin schaut zu.

So wie es vor 30 Jahren die Montagsdemonstrationen in Leipzig gab, die letztlich zur Wiedervereinigung führten, so schließen sich heute in der Folge der „Fridays-for-Future-Demos“ die Menschen regional zusammen. Es entstehen kluge Konzepte, mit denen ab sofort die neue Zeit ganz praktisch gestaltet wird. Noch einmal Roman Herzog: „Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen.“ 

Zwar machen aktuell noch nicht alle mit, doch es werden täglich immer mehr.

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