Hans-Gerd Heye

Behaglich will es jeder haben

Hans-Gerd Heye, 15. Mai 2017

Es gibt kaum ein Prädikat, das im Wohnungsbau so oft verwendet wird wie der Begriff „behaglich“. Fast kein Bauträger wie auch Hersteller verzichtet darauf, in seiner Kommunikation auf den Beitrag seiner Bauweise beziehungsweise Bauprodukte zur Wohnbehaglichkeit hinzuweisen. Aber was wird darunter eigentlich verstanden?

Grundsätzlich gilt, dass Behaglichkeit in einem Gebäude eine subjektive Empfindung ist, wobei neben einer angenehmen Raumtemperatur auch raumklimatische, akustische und optische Aspekte eine Rolle spielen. So wird sich in einem unzureichend vor Lärm geschützten oder ungenügend erhellten Raum kein Mensch behaglich fühlen.

Ich beschränke mich in meinem Kommentar auf die thermische Behaglichkeit als zentrales Element. Auch hier gibt es keinen allgemein gültigen Ansatz, da schwer zu erfassende Faktoren wie Kleidung, Aktivität und Konstitution des Raumnutzers ebenfalls zu berücksichtigen sind. Laut DIN 1946-2 ist thermische Behaglichkeit gegeben, wenn der Mensch Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftbewegung und Wärmestrahlung in seiner Umgebung als optimal empfindet.

Eine etwas andere Definition der thermischen Behaglichkeit bietet die DIN EN ISO 7730. Danach wird sie als ein Gefühl bezeichnet, das Zufriedenheit mit dem Umgebungsklima ausdrückt. Während die Lufttemperatur als einfaches Maß der Behaglichkeit ausreicht, ist für die wirklich empfundene Raumtemperatur auch die Strahlungswärme der Umschließungsflächen – sprich: der Wände – einzubeziehen.

Der Mittelwert aus Lufttemperatur und örtlicher Strahlungstemperatur ist grob betrachtet nach DIN die empfundene Raumtemperatur. Beide Werte sollten etwa gleich sein. Im Winter kühlt die Wand von außen nach innen ab, die Heizung wärmt (nur) die Raumluft. Wenn die Außenwand nicht gut dämmt, ist die Strahlungswärme deshalb auf ihrer Innenseite niedrig. Gerade bei alten Gebäuden trägt eine durch Fassadendämmung erreichte warme Außenwandinnenseite daher auch zu mehr Behaglichkeit bei.

Ein hoher Grad von Zufriedenheit ist für viele Menschen im Innenraum allerdings schon erreicht, wenn sie im Winter nicht frieren und im Sommer nicht schwitzen. Zudem muss berücksichtigt werden, dass je nach Jahreszeit beim Temperaturempfinden auch eine Anpassung an das Außenklima stattfindet. So liegt die Raumtemperatur im Winter für das empfundene Behaglichkeitsgefühl rund zwei Grad tiefer als im Sommer.

Es ist eben kompliziert. Angesichts der Vielzahl unterschiedlichster und individueller Einflüsse haben sich die Experten bei der Bestimmung von thermischer Behaglichkeit deshalb auf sogenannte Behaglichkeitsbereiche festgelegt. Der Einfluss von zentralen Größen wie Lufttemperatur und Luftfeuchte lässt sich dabei in einem Diagramm gut veranschaulichen.

Danach fühlt sich ein Mensch in der Regel thermisch behaglich, wenn sich die Raumlufttemperatur zwischen 22 und 26 Grad Celsius befindet und die Luftfeuchte dabei zwischen 35 und 65 Prozent liegt. Bei Temperaturen ab 24 Grad sollte die maximale Luftfeuchtigkeit 55 Prozent nicht überschreiten.

Bei aller Theorie bleibt festzuhalten, dass baulicher Wärmeschutz thermisch behagliches Wohnen auch ohne aufwändige Heizungstechnik und sommerliche Klimatisierung ermöglicht. Den Vorteil von Wärmedämmung erkannten schon die alten Germanen. Der Unterschied zu einer ungedämmten, luftundichten Gebäudehülle ist für den Gebäudenutzer im Normalfall auch deutlich spürbar.

So lauten zumindest die Erfahrungen der Besitzer von nachträglich gedämmten Althäusern, zu denen ich als Baufachjournalist oft Kontakt habe. Im Gespräch wird von ihnen immer wieder betont, dass sich nach dem verbesserten Wärmeschutz von Außenwänden und Fenstern zum Beispiel auch durch verhinderten Luftzug ein angenehmeres Wohngefühl einstellte. So meinte einer, der sein altes ungedämmtes Wohnhaus mit baulichen Wärmeschutz ausgerüstet hatte, sogar begeistert: „Erst jetzt habe ich mein Haus so richtig lieb gewonnen“. Na ja, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben.

Tatsache ist aber: Ein fachgerecht wärmegedämmtes Haus tut durch die Heizkostenreduzierung nicht nur dem Geldbeutel gut sondern durch warme Außenwandinnenseiten auch ganzjährig ihrem Wohlbefinden. Und last but not least: Eine warme Wandoberfläche ist zudem ein wichtiger Faktor, um die Entstehung von Schimmelpilz zu verhindern.

 

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