Armin Scharf

Anders denken? Unbedingt!

Armin Scharf, 06. Juli 2015

Gedämmte Häuser sind bessere Häuser – eigentlich. Dennoch wird der „Dämmwahn“ oder der langsame Tod jeglicher Baukultur ausgerufen. Der Jammer ist so groß wir laut. Nur: Wer klagt, verliert. Sinnvoller wäre es, weiter zu denken. Das aber strengt an.

Wenn wir alle in etwas gut sind, dann im Beklagen der Zustände. Wir klagen über das Wetter, über die angebliche Verschmuddelung der Städte, über digitale Parallelwelten, über mangelnden Klimaschutz und zugleich über die Verdämmung der Architektur. Verschwörungstheorien blühen, vielfach an Absurdität kaum noch zu überbieten. Das wundert nicht, handelt es sich doch hier um die verschäfte Fortsetzung des Klagens: Das eine wie das andere führt nirgendwo hin, von Depression oder Extremismus abgesehen.

Verschwörungstheorien liefern simple Schein-Antworten auf die komplexen Situationen der heutigen Zeit – ohne nachdenken zu müssen. Dabei wäre genau dies notwendiger denn je: Selbstdenker, die nicht klagen, sondern hinterfragen, neue Ideen entwickeln oder diese nachdrücklich einfordern. Wer lediglich klagt, ändert nichts am Zustand, sondern trägt zu dessen Manifestierung bei.

Was aber hat dies mit Bauen zu tun? Gute Frage, daher gleich die Antwort. Auch beim Bauen schadet das Denken oder gar das Weiterdenken nicht. Das betrifft nicht nur, aber besonders, die Aspekte Ressourcen und Energie. Denn nach wie vor ist das Bauen eine riesige Ressourcenschleuder, was zur Folge hat, dass selbst unspektakuläre Rohstoffe wie Sand weltweit rar werden.

Und energetisch? Treten wir bestenfalls auf der Stelle. Statt neue Ansätze zu verfolgen, klagen wir lieber. Über die uniformierende Fassadendämmung, über nicht atmende Häuser oder zu hohe Heizkosten. Das kann man vielleicht einem normalen Bauherren nachsehen, weil er emotional an das Thema rangeht. Doch längst stimmen auch Planer in die Litanei ein, befreit von bauphysikalischen Gesetzmäßigkeiten, angeblich getrieben von der Sorge um die Baukultur, die wieder einmal auf dem Spiel steht. Aber: Wo bleibt die konstruktive Auseinandersetzung, aus der neue Perspektiven entstehen können? Die liegen freilich nicht auf der Hand, sind nicht von der industriellen Stange zu haben, an die man sich gerne klammert.

Vielleicht mag es ja sogar stimmen, dass die Fassadendämmung in ihrer heute etablierten Form dereinst von smarteren Lösungen abgelöst wird. Doch der Weg dorthin führt nicht durch ein Jammertal, sondern über Höhen. Und Tiefen. In der Tat ist die Zeit reif für einen Innovationssprung – das Modell, bewährte Lösungen immer weiter zu verfeinern, kommt naturgemäß irgendwann an seine Grenzen. Oder, um es mit dem Architekten und Bauingenieur Werner Sobek zu sagen: „Nur wer das Übliche überwindet, kann Neues gestalten“.

Bis 2020, spätestens bis 2030, so der Stuttgarter Vordenker, müssen wir auf fossile Energieträger verzichten, anonsten sei das Klima dahin. Gewiss: Weiterdenken ist nicht frei von Risiken. Aber jede Veränderung ist ein Risiko, ja das Sein schlechthin ist ein nicht enden wollendes Risiko. Aber es geht um viel – um unsere Zukunft. Und natürlich irgendwie auch um die Baulkultur.

 

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Kommentare  

b.petersen Mittwoch, 22. Juli 2015 21:25
was soll man da auch kommentieren? steht ja nix drin im artikel
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