Ronny Meyer

Leichter als viele glauben: 70er-Jahre-Energieschleudern auf Sparkurs bringen

Ronny Meyer, 26. September 2013

Manchmal begreife ich die Diskussion über die energetische Gebäudemodernisierung nicht. Wir machen rum, als ob wir das erste Mal mit Dämmung und Lüftungsanlagen konfrontiert würden. Wir diskutieren Pro und Contra, obwohl es eigentlich nichts zu diskutieren gibt.

Man kann meines Erachtens die energetische Gebäudemodernisierung als private Meinung gut oder schlecht finden, so wie man Autos, Wintermäntel oder etwa Gartenzäune befürworten oder ablehnen darf. Nur beim Für und Wider sollten nicht nur Meinung, sondern eben vor allem die Sachargumente entscheiden. Dann wäre es nicht mehr möglich, Hauseigentümer bezüglich der energetischen Modernisierung zu verunsichern. Wer käme schon auf die Idee, ...

... Autos zu verbieten, weil es so viele Unfälle gibt.
... Wintermäntel abzulehnen, weil es irgendwann sowieso wieder Sommer wird.
... Gartenzäune zu verteufeln, nur weil sie die armen Gartenzwerge einsperren.

Im Ernst: Ungefilterte, einfach so dahergesagte Aussagen wie „Energetisches Modernisieren lohnt sich nicht“ (wer legt denn überhaupt fest, was sich warum für wen wie lohnt? – für viele sind Behaglichkeit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz durchaus Ziele, die sich lohnen, selbst wenn es dafür keine Euros gibt), „Gedämmte Wände schimmeln“ (einfach Unsinn) oder „Lüftungsanlagen sind unhygienisch“ führen uns in die Sackgasse.

Technisch ist die energetische Gebäudemodernisierung überhaupt kein Problem. Vor über 40 Jahren konnten wir schon zum Mond fliegen, da sollen wir heute keine Energiesparhäuser auf die Reihe bekommen? Ha, absurd. Das kann doch alles nicht so kompliziert sein. Zumal schon -zigtausend alte Energieschleudern zu perfekten Effizienzhäusern umgebaut wurden. Schauen wir uns dazu mal an, wie einfach typische 70er-Jahre-Häuser zu Sparhäusern wurden  – und dauerhaft funktionieren:

Zunächst: Unsanierte Häuser aus den Siebzigern (und auch viele ältere Baujahre) wurden überwiegend aus stark wärmeleitendem Mauerwerk gebaut (Kalksandstein, Vollziegel). Dazu ungedämmte Stürze, energetisch schwache Rollladenkästen und der damals übliche Balkon, der mit der Decke am Stück ohne thermische Trennung betoniert wurde („Kühlrippe“: Mitverursacher hoher Heizkosten). Die gesamte Fassade ist bei solchen Häusern eine einzige Schwachstelle. Lösung: 16 Zentimeter Wärmedämmverbundsystem und das Problem ist für immer Vergangenheit. So einfach!

Weiter: Was ist mit den typischen Glasbausteinen aus dieser Epoche? Sollte man die nicht einfach durch beste Dreifachfenster ersetzen? Lohnt sich das? Was für eine Frage. Ein Vergleich der Wärmedämmwerte liefert eine „glasklare“ Antwort.

Riesen-Chance: Von diesen 70er-Jahre-Häusern stehen Hunderttausende herum – genau dort liegt der Hebel zur Energiewende! (viele Tipps zu noch älteren Häusern oder zu den Schwachstellen bei den „Youngtimern“ unter unseren Gebäuden folgen in den nächsten Beiträgen)
Ihr seht das anders? Schreibt Euren Kommentar. Wäre auch klasse, wenn sich Leute melden, die Erfahrungen gemacht haben.

Ach ja, und die Heizung: Es gibt erstaunlich viele Heizungen aus den Siebzigern, die noch „voll in Ordnung“ sind ... sagt zumindest der Schornsteinfeger. Jaja, es gibt auch noch in manchen Haushalten 40 Jahre alte Waschmaschinen. Aber nur noch selten: Oft wurde hier längst ein oder zwei mal auf modernere Technik umgesattelt. Die Wasserspar-, Stromspar- und Waschmittelspar-Argumente waren einfach überzeugend.

Bei der Heiztechnik ist das nicht anders: eine moderne Heizung kann mehr als eine antiquierte. Die neue Effizienz-Haustechnik macht zum Beispiel aus weniger Energie mehr Wärme. Lasst mich mal rechnen: Wenn eine neue Heizung massiv Energie einspart und auch noch gefördert wird, dann könnte es doch sein, dass ich die neue Heizung über eingesparte Energiekosten finanzieren kann. Quasi eine neue Heizung zum Nulltarif.

Brille? Fielmann. Heizung? Viessmann ... oder Buderus oder Vaillant oder Brötje oder all die anderen, die es noch gibt .... Das soll ja hier kein Werbeblog sein. Aber der Spruch passte einfach.

Und Umweltschutz gibt‘s gratis obendrein. Milchmädchenrechnung oder vernünftiger Ansatz? Ich freu mich auf Eure Beiträge.
Bei der Wärmedämmung ist es übrigens sicher so: Wer richtig dämmt und richtig finanziert, spart vom ersten Tag an Geld. Denn die Kosten für Zins und Tilgung eines KfW-Darlehens sind geringer als die eingesparten Heizkosten. Weihnachten Ende September! Das kann man gar nicht oft genug sagen. Alles zu Finanzierung und Förderung Ihrer Sanierung.

 

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Kommentare  

Name (erforderlich) Freitag, 22. Dezember 2017 16:01
Ich habe im Zuge der Sanierung unseres 70er Einfamilienhauses diverse Kostenvoranschläge zur Fassadendämmung eingeholt. Die Kosten pendeln sich zwischen 50T und 70T ein, je nachdem ob man einrechnet, dass Brüstungen, Handläufe, Terrassengeländer, Edelstahlkamin etc. versetzt werden müssen. Berechne ich die Einsparung der Fassadendämmung (Wärmeverlust durch Wände 25% auf 0) dann komme ich selbst mit KFW Förderung auf eine Amortisationszeit von 80 Jahren. Nach Abzug von „Sowiesokosten“ (Anstrich, Gerüst, etc) Amortisationszeit von etwa 50 Jahren. Fazit: Dämmen lohnt nicht. Im Gegenteil: Es ist massiv unwirtschaftlich. Von den anderen Problemen wie z.B. Grünschleier etc habe ich da noch nicht mal angefangen zu reden.
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Arnold Drewer Samstag, 28. September 2013 13:06
Bin Deiner Meinung, Ronny! Was die Brandgefahr angeht - wird ja sehr gerne, vor allem im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, mit Horrorszenarien gezeigt: Meines Wissens nach gibt es weniger als 10 Fassadenbrände in Deutschland. Mit keinem personellen Schaden. Jedoch steht zumindest in meiner regionalen Zeitung mindestens 1 Wohnungsbrand - manchmal mit leider tödlichem Ausgang. Keiner käme indes auf die Idee, die Produkte, die z.B. bei IKEA (und anderen Möbelhäusern) verkauft werden, als "Brandbeschleuniger" und "Vergifter" zu diskreditieren bzw. verbieten zu wollen. Und man stirbt nun mal an den Brandgasen von Laminat-Böden, Spanplattenmöblen, Kunststoff-Sesseln usw. usw. Übrigens auch an den Brandgasen von Massivholz (das ist auch nicht gesund). Das ist nun mal das Risiko, was wir eingehen müssen, wenn wir nicht in einer unbeheizten Höhle wohnen wollen (vermutlich waren die Rauchgase der Lagerfeuer damals auch nicht gerade gesundheitsförderlich) Dämmung teuer? Inzwischen beschäftige ich mich fast nur noch mit oberen Geschoßdecken (um das WDVS kümmern sich ja genügend andere). In der Tat - wenn eine belüftete Kehlbalkenlage von oben gedämmt wird (wie jede Menge Hersteller empfehlen), wenn die Dachschrägen gedämmt werden, aber nicht das Ausstiegsfenster, keine Luftdichtung, überhaupt nur Pfusch - dann muss man sich nicht wundern, wenn Dämmung tatsächlich nicht funktioniert bzw. aufgrund minimaler Wirkung eine Amortisationszeit von 100 Jahren hat ...
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