Dreidimensional waren Fassaden eigentlich immer – Vor- und Rücksprünge gliedern Gebäudehüllen, horizontal wie vertikal, prägnant oder subtil. Und doch erleben wir derzeit, wie die Architektur plastischer, ja skulptural wird. Nicht zuletzt digitale Prozesse machen dies möglich – und auch bezahlbar.

Der 3D-Hype hat nun auch das Bauen erreicht – nicht nur in China versucht man sich am Bau kompletter Häuser mittels großen 3D-Druckern, auch hier zu Lande arbeiten Universitäten an entsprechenden Verfahren, die Gebäude Schicht um Schicht automatisch herstellen. Und die Raumfahrtagenturen entwickeln bereits Visionen, eine Mondbasis aus dem reichlich verfügbaren pulvrigen Sediment Regolith zu bauen – natürlich mit Hilfe von mobilen 3D-Druckern. Das eine wie das andere wird früher oder später möglich sein, gewiss. Aber auch heute schon verleiht die Digitalisierung des Entwurfs- und Produktionsprozesses dem Bauen einen kräftigen Innovationsschub. Man muss dazu nicht gleich in Dimensionen wie Zaha Hadid denken und ganze Gebäudekomplexe als furiose Skulpturen entwerfen wollen. Auch im alltäglichen Maßstab weist die Digitalisierung den Weg zu einer neuen Fassadenkultur abseits aufgesetzter Ornamentik oder banaler Oberflächen-Modellierungen. Die per 3D-Software zu Datensätzen gewordenen Ideen werden nun ohne Um- oder Irrwege beispielsweise von fleißigen Fräsmaschinen direkt in die reale Welt überführt. Plane Putzträger- oder EPS-Platten verwandeln sich so in spannungsvolle Topografien mit weichen Formverläufen oder klaren Kanten – das verschollene Diamantquader findet in neuer Interpretation ins gestalterische Repertoire zurück. Flächen mit eingravierten Linien, individuelle Laibungen, Gesimsformen oder auch wellenförmig vor- und zurückschwingende Fassaden scheitern nicht mehr an der Umsetzung oder den Kosten. Denn die Digitalisierung basiert auf der Losgröße 1, jedes Fassadenelement spielt als Unikat im Orchester der Unikate seine ganz eigene Rolle. Bezahlbar, weil keine speziellen Produktionswerkzeuge nötig sind und weil die Umsetzung weitgehend automatisiert vonstatten geht. Nur die Montage vor Ort – die erfordert nach wie vor den ganzen Fachhandwerker, der jedoch mehr denn je in der Lage sein muss, über Standardlösungen hinaus denken zu können – und zu wollen.

Der Gewinn liegt auf der Hand: Eine Baukultur mit mehr Vielfalt, mehr Detailfreude, einer neuen Ornamentik und Lebendigkeit. Die Optionen sind da – jetzt gilt es, sie zu erkunden und zu nutzen.

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