Ronny Meyer Wärmedämmung: Mathematik ist nicht diskutierbar

Und täglich grüßt das Murmeltier. Nun ist also auch die FAZ am vorigen Wochenende auf den Wir-machen-Fassadendämmung-runter-Zug aufgesprungen, nachdem sich Anfang Januar das ARD-Magazin MONITOR an derselben Thematik abgearbeitet hatte (und zuvor das ZDF) und sich allesamt bei Licht betrachtet damit keinen Gefallen taten. Letztlich geht es nur um Mathematik und die ist nicht diskutierter. 1 plus 1 ist nun mal 2. Ob man das gut findet oder eben nicht.

Jetzt also die FAZ: Worum geht es? Kurz gesagt darum: Polystyrol-Dämmung ist giftig, verursacht Schimmel, brennt wie Hölle und ist Sondermüll. Und wir Vollidioten packen damit unsere Häuser ein und befördern unseren gesamten Gebäudebestand damit direkt auf die Sondermülldeponie. FAZ, das ist doch wohl nicht dein Ernst.

Wir haben in diesem Blog schon fast zuviel zu diesem Thema geschrieben und geben uns immer wieder alle Mühe, die entbrannte Diskussion mit klaren Argumenten zu versachlichen – was ja auch geht. Man muss nur gewillt zu sein, zuzuhören oder –  wie in unserem Fall – diesen Blog aufmerksam zu lesen.

Erstens: Niemand wird gezwungen, sein Haus zu dämmen. Es gibt aber gute Gründe fürs Dämmen. Ganz vorne steht die Energieeffizienz mit dem langweiligen aber so wichtigen Begriff „Energie sparen“. Aber das weiß inzwischen jeder. Denn Heizöl und Gas sind ebenfalls ein „Teufelszeug“, dessen Verbrennung man mit Wärmedämmung (nicht nur aus Polystyrol) massiv reduzieren kann. Man könnte jetzt viele Sachargumente auflisten. Das haben wir aber schon so oft getan und möchten uns jetzt einfach nicht wiederholen.

Heute möchte ich die negative Berichterstattung – vor allem die Fernsehberichterstattung – rund um die Wärmedämmung von einer anderen Seite beleuchten. Aus Sicht der Redaktion. Dies kann ich tun, da ich selbst seit rund 15 Jahren im TV-Geschäft aktiv bin und weiß, wie man Sendebeiträge anfertigt. Oft genug habe ich als Redakteur gearbeitet aber auch selbst sogenannte O-Töne in die Kamera gesprochen.

Da steht man dann als Experte vor der Kamera und der Redakteur sagt so Sachen wie „Ronny, kannst Du mal in 30 Sekunden sagen, worauf es bei einer Wärmedämmung ankommt?“ Eigentlich müsste man diese Frage mit „Nein“ beantworten, doch dann wären die Dreharbeiten schon beendet. 30 Sekunden? Selbst 30 Minuten sind schon arg knapp. Also versucht man alles, wirklich alles, was man je über Wärmedämmung gelernt hat, in 30 Sekunden zu packen. Höchste Konzentration, wir sind so weit, Kamera läuft … und … bitte: Und dann legt man los.

Natürlich passiert es, dass man sich verhaspelt, einen Gedanken vergisst und nochmals neu ansetzt. Schnitt! Und manchmal erzählt man sogar dummes Zeug, weil man hin und wieder auch den Faden verliert. Und irgendwann eröffnet man mit seiner Wupper einen Nordpol in der Herrenboutique. Ja, Loriot hat es auf den Punkt gebracht. Bei Kinofilmen nennt man die Versprecher „Outtakes“, die als Bonusmaterial zur DVD mitgeliefert werden. Alles sehr spaßig, da es dem Zwecke der Unterhaltung dient.

Doch was am 9. Januar 2014 die Sendung MONITOR offensichtlich gemacht hat, war vermutlich das bewusste Senden der Outtakes, das genüssliche Zelebrieren der Versprecher, weil der Anwendungstechniker oder der Experte während der Dreharbeiten mal kurz den Faden verloren hatten. Alle Fragen, die MONITOR stellte, hätte man seriös beantworten können, da es sich immer nur um Technik, Physik, Wahrscheinlichkeiten und Mathematik drehte. Wenn man will, kann man alles dramatisieren oder alles verharmlosen. In dem Fall: DRA-MA-TIK!!!!

Wenn ernsthaft danach gefragt wird, wieviel Prozent Raumwärme durch eine Fassade verloren gehen kann, dann zeigt die Fragestellung, dass der, der fragt, nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung davon hat, wovon er spricht. Denn es gibt keine festen Prozentzahlen zu diesem Thema. Man stelle sich bitte Folgendes vor: Ein eingeschossiges Haus hat ein löchriges Dach, viele klapprige, 50 Jahre alte Einscheibenfenster und eine hochgradig gedämmte Fassade, durch die fast keine Wärme mehr hindurchgeht. Der Anteil der Wärmeverluste, den die Fassade verursacht, liegt in diesem Fall bei weit unter 10 Prozent. Nun drehen wir die Situation um: hochgedämmtes Dach, ganz wenige, kleine Super-Dreifachfenster, mehrgeschossige, ungedämmte, massive Backsteinfassade mit Fugen und Ritzen. Jetzt liegt der Fassadenanteil bezüglich der Wärmeverluste bei über 90 Prozent. Entsprechend hoch ist dort das Einsparpotential durch eine Fassadendämmung. Mathematik ist nicht …

Die Frage, wieviel Einsparung prozentual durch eine Fassadendämmung erreicht werden kann, hängt immer von der Geometrie und vom Zustand des Gesamtgebäudes ab. So eine Information wünsche ich mir von MONITOR oder von der FAZ.

Wenn „seriöse“ Redaktionen Botschaften kommunizieren, die ganz sicher nicht im Sinne der Sache und schon gar nicht im Sinne der interviewten Personen sind (wer steht schon gerne als Blödmann da?), wenn man ganz offensichtlich nur „Stimmung“ machen möchte und hierfür andere vorführt, dann ist das einfach nur fies.

Schlussgedanke: Wir werden immer älter. Ich bin heute 50 Jahre alt und ich kann mir ausmalen, dass wir in 30 Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge millionenfach zuhause oder im Pflegeheim sitzen und ihrem Lebensabend entgegenschauen, dies nicht in Energieschleudern, sondern in energieeffizienten Gebäuden tun sollten, wenn wir nicht einen Großteil unserer schmalen Rente verheizen wollen (alternativ: Frieren bis der Arzt oder der Bestatter kommt). Ich habe mein Haus mit Polystyrol gedämmt, um meine Heizkosten für immer und ewig zu minimieren. Das ist ein wichtiger Pfeiler meiner Altersvorsorge. Wer hier Ängste schürt, handelt unverantwortlich. Vor allem mit Blick auf die Überalterung der Gesellschaft. Eine sachliche Diskussion ist überfällig.

Anmerkung der Redaktion: Wie sachlich im TV berichtet wird, zeigt der Autor zum Beispiel in dieser Sendung des hr.

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11 Kommentare zu „Wärmedämmung: Mathematik ist nicht diskutierbar“

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  • Andreas

    30. Januar 2014 (10:55)

    Schlimm ist, wie viele Menschen diese Argumente aus den Medienberichten nachbeten. Selbst aus den Kreisen der Klimaschutz- und Energiewende-Interessierten Menschen hört und liest man diese Argumente. Ich frage mich, wollen die lieber ihr Geld verheizen? Nein, sie warten lieber auf die Solarstrom-Heizung oder das Comeback der Nachtspeicherheizungen mit Ökostrom, als das Haus dicht mit Plastik zu verpacken. Ehrlich, diesen Eindruck habe ich bei vielen Aussagen, die ich so lese.

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  • Manfred Millmann

    2. Februar 2014 (08:31)

    Da es für die Verkäufer von Energie, sei es Erdöl/Erdgas oder Kohle/Atomstrom, sprichwörtlich um Alles geht, sind auch alle Mittel der Desinformation aus deren Sicht vollkommen legitim. Dass sich die Monitor-Redaktion freiwillig vor diesen Karren hat spannen lassen, darf bezweifelt werden. Wie sozial verträglich und preiswert Dämmung aus Abfällen geht, zeigt ein Beispiel. Die SchülerInnen organisieren die Einsammlung des Altpapiers, das heute zu 60 % aus kostenlosen Werbebeilagen besteht. Das Altpapier nehmen verschiedene Dämmstoffhersteller und liefern im Tausch für 1 Tonne Altpapier 1 Kubikmeter Dämmstoff, der dann heizkostenmindernd zum Einbau gelangt. Gleiches ist mit Altglas (Wein/Sekt/Spirituosen) möglich, und auch Sekt/Weinkorken eignen sich zur Herstellung nachhaltigen Klimaschutzes.

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  • Rolf

    6. Februar 2014 (08:24)

    Zitat: „Erstens: Niemand wird gezwungen, sein Haus zu dämmen.“
    Doch – laut Gesetz ist man bei Änderungen verpflichtet zu dämmen. Man ist aber nicht verpflichtet zu sparen. Es wird auch niemand per Gesetz verpflichtet ein sparsames Auto zu fahren. Oder Spaßfahrten einzuschränken. Jeder versucht nur seinen eigenen Egoismus zu verwirklichen. Es geht wie immer – nur um viel Geld!

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    • Ronny Meyer

      11. Februar 2014 (19:05)

      An Rolf: Bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Fakt ist, niemand wird gezwungen zu dämmen. Auch wenn’s im Gesetz steht. Ich sehe fast täglich alte Häuser, die nur angestrichen, aber nicht gedämmt werden, obwohl sie per Gesetz gedämmt werden müssten. Würde die „Baupolizei“ auf die Suche nach Dämmverweigerern gehen, sie könnte täglich vermutlich zigmal zuschlagen. Mir ist aber kein Fall bekannt, dass jemand bestraft wurde, der nicht gedämmt hat. Oder habe ich da etwas nicht mitbekommen? Fakt ist: Niemand wird dazu gezwungen, sein Haus zu dämmen. Schade, dass der Maler seinen Kunden, dem er nur die Fassade anpinselt, nicht darauf hinweist, dass man mit Dämmung viel Geld spart, die Umwelt schont und Fördermittel kassieren kann. Und der Maler hätte einen größeren Auftrag, die Region hätte mehr Steuereinnahmen und und und. Stattdessen: Wir heizen weiter wie bisher. Aufklärung und Vernunft gehen anders.

      Antworten
  • Jürgen Saatweber

    10. Februar 2014 (19:54)

    Die Sendung von Herrn Münch (HR, 2.10.13) mit Herrn Ronny Mayer hob sich wohltuend und nützlich für die Zuschauer von anderen Medienberichten ab. Der Tenor dieser populistischen Berichte: Wärmedämmung lohnt sich nicht, das Material befördert gefährliche Brände, und die Wände schimmeln. Ich kann das nur aus eigener Erfahrung als groben Unsinn bezeichnen, dessen Ziel die Verwirrung der Zuschauer (NDR, ARD und WDR bzw. der Leser der FAZ, der Welt oder der Wirtschafstwoche und anderer ) ist.
    Meine eigene Erfahrung:
    Wir bauten 1974 erstmals in Stuttgart und rüsteten das Haus mit einer Stryropordämmung (damals nur 5 cm) auf den Außenwänden und einer sehr wirksamen Dachdämmung aus. Wir dimensionierten die Dämmung damals nach „Gefühl“, d.h. ohne eine Berechnung der Wärmeverluste. Die ehemaligen Nachbarn dort staunen heute noch, daß der Schnee auf unserem Dach erst mit dem Tauwetter abschmilzt und nicht, wie bei den meisten Dächern vorher durch Wärmeverluste aus den Räumen darunter.
    Wir bauten erneut 1980 in Bad Homburg und bezogen unser neues Haus im Januar 1981, nachdem wir eine – diesmal berechnete – Wärmedämmung (10 cm Styropor PS 20) montiert hatten. Für die Selbstmontage sprachen einerseits die Kosteneinsparungen und andererseits die
    damals leider häufig anzutreffende „Schlamperei“ am Bau. Die Montage einer wirklich wirksamen Wärmedämmung erfordert penible Sorgfalt, was man von einem im Akkord arbeitenden Handwerker auch nicht verlangen kann.
    Gleichzeitig mit unserem Haus erstellte der Bauträger 1980 drei nahezu gleiche, freistehende und große Wohnhäuser, die nach der damaligen „Wärmeschutzverordnung“ ausgeführt wurden.
    Die „Baufachleute“ verlachten damals unsere Maßnahmen zum Wärmeschutz mit dummen Sprüchen wie: „Man kann sich auch zu Tode dämmen“ und anderem Schwachsinn.

    Nach 3 Jahren überprüften wir den Nutzen unseres Wärmeschutzes durch den Vergleich des Heizenergieverbrauchs (Gas) mit den drei Nachbarhäusern.
    Das Resultat entsprach unserer Berechnung:
    Wir verbrauchen seit 1982 ein Drittel der Heizenergie, die unsere Nachbarn benötigen.
    Unsere Mehrinvestitionen für die energetische Verbesserung gegenüber der Bauträger-Version waren nach 10 Jahren voll amortisiert. Wir investierten für unsere energetische „Aufrüstung“
    1980 ungefähr DM 10.000 für:
    • Dämmung der Außenwände mit 10 cm Polystyrol
    • Wirksame Dachdämmung
    • Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmetauscher
    • Dreifachscheiben
    • Dimensionierung der Heiztherme nach unserer Bedarfsberechnung: 9,6 kW für 300 m²
    beheizte Fläche. Der Heizungsbauer empfahl: mindestens 30 kW für das große Haus.

    Der Heizenergieverbrauch (Gas) unseres Hauses beträgt im Durchschnitt langer Jahre
    65 kWh/m²a (Minimum 50, Maximum 77 kWh/m²a) bei durchschnittlich 22°C Innentemperatur.
    Seit 1992 summierten sich die eingesparten Energiekosten bis Dez. 2013 auf € 35.182 – im Durchschnitt der 21 Jahre auf € 1.675 p.a. (Einsparung = doppelter Wert unsere Kosten)
    Bei der jährlichen Anlage der Einsparung auf ein biederes Sparkonto mit 3 % Zins wären heute
    € 49.474 verfügbar. Für die professionellen Dämmungsgegener sind das natürlich nur peanuts.

    Unsere Wärmedämmung hat sich, wie zu erwarten war, über alle Jahre hervorragend bewährt. Das Wohnklima ist wegen der warmen Außenwände ideal – ein in Euro kaum kalkulierbarer Komfort. Heute würde ich eine mindestens 15cm starke Dämmung auf die Außenwände montieren.
    Unsere Außendämmung ist seit 33 Jahren wirksam; sie wird unverändert noch lange Jahrzehnte wirken, solange das Haus steht.
    Die Natur sorgt für einen Schönheitsfehler auf den nach Nordwesten ausgerichteten Fassaden: dort können Algen gedeihen, weil die Außenhaut der Wände meist feucht bleibt. Nahezu jeder Baum zeigt diesen Effekt in der Natur.
    Mit dem nächsten Anstrich des Hauses (das wäre der 2. nach 33 Jahren) werde ich eine Farbe mit Lotus-Effekt streichen lassen. Die Firma sto und andere bieten geeignete Farben an.

    Die von den „Dämmungsgegnern“ lautstark vorgetragenen Schäden sind ebenso blanker Unsinn wie die Behauptung der Unwirtschaftlichkeit der Wärmeschutzmaßnahmen.
    Diese leeren und durch nichts belegten Behauptungen sind „Wasser auf die Mühlen“ der Immobilienwirtschaft, die eine längst überfällige Gebäudedämmung zu hintertreiben sucht und mangels eigener Argumente dubiose Architekten, wie z.B. den Architekten aus dem fränkischen
    Hochstadt-Marktzeuln als willfährige Propagandisten benutzt – vielleicht auch hilfswillige Redaktionen ?
    Die Immobilienbranche hat so lange kein Interesse an der energetischen Sanierung, solange die Mieter die Heizkosten für die alten Schrottimmobilen bezahlen müssen und können.

    In unserem Land fehlt ein Gebäude-TÜV, der befugt ist, Gebäude schließen zu lassen, die nach dem Jahr 2025 noch einen Heizenergieaufwand von >80 kWh / m² p.a erfordern.
    Der KfZ-TÜV zieht Schrottautos seit langen Jahren aus dem Verkehr.
    Diese Regelung muß auch für die Schrottimmobilien gelten.

    Antworten
  • Werner Henke

    12. Februar 2014 (23:36)

    Ein wirklich sehr guter Artikel .
    Wärmedämmung verringert den benötigten Energiebedarf und die Nebenkosten eines Gebäudes zweifellos am stärksten.
    Und doch wird, wie so vieles im Internet, von selbsternannten Experten zerredet und in Zweifel gezogen. Wenn es um Dämmung geht sind alle auf einmal Experte.
    Ganz besonders auch die, die lediglich mal eine Dämmplatte an einer Fassade gesehen haben und über keinerlei sonstige Erfahrung verfügen oder berichten können.
    Früher hieß es aus aller Munde ein Haus müsse atmen, oder auch in Fachkreisen die „Pettenkofer – These“. Nachdem dieses Gerücht eines bayrischen „Chemikers“ nach nunmehr über 100 Jahren
    immer noch in vielen Gehirnen sehr präsent ist, folgt für mindestens weitere 100 Jahre „Styropor ist gefährlich und giftig“.
    Von den Ausdünstungen vieler Laminat- Böden, die im Haus die Luft vergiften, wird jedoch maximal nur einmal in 3 Jahren berichtet! Ist eben nicht sexy und für eilige Redakteure nur mit sehr hohem Aufwand zu Recherchieren. Ökotest bemängelt bereits seit dem Jahr 2006, dass zum Teil krebsverdächtigte Chemikalien wie Formaldehyd und andere Gefahrstoffe aus den getesteten Laminaten ausgasen. Und dies im Haus und nicht draußen an der Fassade.

    Doch sein wir mal ehrlich.

    Welches Material ist beständiger hinsichtlich Wassereinwirkung und Lebenserwartung an der Fassade.
    Welches Material lässt sich am besten, speziell auch im Altbau, präzise auf den Millimeter zuschneiden, um zum Beispiel Fensterleibungen maximal und passgenau zu dämmen.
    Warum haben die Bojen im Meer oft Styroporkerne? Weil Styropor billig ist oder weil es so beständig ist?

    Wie viele Millionen Quadratmeter WDV-S gibt es seit mindestens drei Jahrzehnten absolut schadensfrei, und wie viele davon wurden mit Styropor erstellt? Ein WDVS aus Styropor hab ich seit 1998 selbst an der Fassade meines Hauses. Meine Erfahungen sind durchweg positiv. Beruflich verbaue ich seit 1994 verstärkt WDVS. Reklamationen bisher keine!

    Ein paar Gedanken zur Energiewende, die auf einmal zur Stromewende mutiert: Nachdem sich die sogenannte „Energiewende“ heute als 100% -tige Stromwende entpuppt und Klimaschutz gegenwärtig auf einmal so unpopulär wird, frage ich mich warum dies so ist? Diese, politisch zum Nachteil der Bevölkerung ausgelegte Energie = Stromwende, wurde und wird derzeit von allen politischen Fraktionen zentral favorisiert, und dies möglicherweise nur aus einem einzigen Grund: Der Energiesteuer.
    Die Steuereinnahmen aus der Energiesteuer bewegen sich in Deutschland nach der Mehrwertsteuer an zweiter Stelle. Durch die Stromwende verliert der Staat keine Steuern. Die Verteuerung des Stroms wirkt sich hierbei positiv bei der Vergrößerung des Steueraufkommens aus!

    Bei der Wärmewende also der Wärmedämmung im Gebäudebestand verringert sich das Steueraufkommen aus der Energiesteuer. Da durch die Verbrauchsorientierung bei weniger Verbrauch auch weniger Steuern anfallen, und dies in hohem Maße. Anders ausgedrückt, mit jedem m² gedämmter Fläche geht dem Staat sehr viel Geld verloren. Welches unter anderem wegen der, „die Rente ist sicher“ Protektion, für die heutige Generation der Rentner auch für diesen Zweck wohl benötigt wird.

    Politische Unentschlossenheit, wenn es denn überhaupt so etwas gibt, wirkt sich bei der sogenannten „Förderung“ der Wärmesanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern besonders stark bremsend aus. Die Förderungskriterien sind so komplex und ändern sich so oft wie der Wind die Richtung wechselt. Ob dies bewusst von der Politik als „Verzögerunginstrument“ zur Abbremsung der „Wärmewende“ angewendet wurde und wird, darf hierbei wohl ernsthaft angenommen werden.

    Neueste Aussage der amtierenden Bundesregierung zur Energieeffizienz: Obwohl es in Zukunft weiterhin Mindeststandards für Energieeffizienz geben werde, müssten diese immer auch betriebs- und volkswirtschaftlich sinnvoll sein. Was immer man darunter verstehen kann, die Immobilienwirtschaft hat hierbei mit Sicherheit die größte und mächtigste Lobby.

    Ganz anders In Östereich. Dort gibt es zum Beispiel die verpflichtende HWB-Angabe bei jeder Immobilienanzeige. HWB steht hierbei für Angabe des Heizwärmebedarfs bei jeder Wohnung!
    Genaueres dazu findet sich hier: http://www.oekoenergie-blog.at/2013/12/bedeuten-die-kurzel-hwb-bei-miet-und-kaufinseraten. Diese verpflichtende Angabe des Heizwärmebedarfs bereits bei einem Inserat wäre in Deutschland gewiss undenkbar.

    Eine verpflichtende Angabe der zu erwartenden Heizkosten für Wohnungen würde hierzulande Immobilienkonzerne mit Schrottimmobilien stark in Zugzwang setzen. Ein Ausbleiben von Parteispenden für die regierenden Fraktionen wäre sicherlich noch das kleinere Problem.

    Hier ein link zur neuesten Entwicklung der „Wärmewende“ die jetzt wie es scheint von der Energiewende entkoppelt werden soll. http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/01/2014-01-28-waermemarkt-hendricks.html. Hoffentlich wird es nicht wieder mehr Schein als Sein.

    Ganz besonders Bemerkenswert finde ich den Kommentar von Herrn Saatweber: Danke hierfür!

    Zitat:
    „Die von den „Dämmungsgegnern“ lautstark vorgetragenen Schäden sind ebenso blanker Unsinn wie die Behauptung der Unwirtschaftlichkeit der Wärmeschutzmaßnahmen.
    Diese leeren und durch nichts belegten Behauptungen sind „Wasser auf die Mühlen“ der Immobilienwirtschaft, die eine längst überfällige Gebäudedämmung zu hintertreiben sucht und mangels eigener Argumente dubiose Architekten, wie z.B. den Architekten aus dem fränkischen Hochstadt-Marktzeuln als willfährige Propagandisten benutzt – vielleicht auch hilfswillige Redaktionen?
    Die Immobilienbranche hat so lange kein Interesse an der energetischen Sanierung, solange die Mieter die Heizkosten für die alten Schrottimmobilen bezahlen müssen und können.
    In unserem Land fehlt ein Gebäude-TÜV, der befugt ist, Gebäude schließen zu lassen, die nach dem Jahr 2025 noch einen Heizenergieaufwand von 80 kWh / m² p.a erfordern.
    Der KfZ-TÜV zieht Schrottautos seit langen Jahren aus dem Verkehr. Diese Regelung muß auch für die Schrottimmobilien gelten.“

    Antworten
  • Daniel

    17. November 2014 (14:27)

    Hallo Herr Meyer Ronny,
    ich habe mit Interesse ihren Beitrag hier gelesen und komme zu dem Schluss, dass bei einem Neubau nach Kfw 70 zb. hier bei uns wäre das eine Reiheneckhaus mit 3 Stockwerken, UG mit Zimmer u. Bad (hat ein kleines Kellerfenster, liegt halb in der Erde), eigentlich keine Lüftungsanlage im Sinne von Luftschlitzen in den Fenstern oder Luftventilatoren nötig ist, da es für Schimmelbildung auf die Temperatur der Wände und der Luftfeuchte ankommt.
    Jedoch sind wir uns nicht ganz sicher ob vernünftiges lüften in diesem neuen Haus reicht.
    Könnten Sie diese von mir Laienhafte Feststellung bestätigen oder besteht doch noch Handlungsbedarf.
    Der Bau hat eben erst begonnen und man macht sich ja Gedanken…

    Mit freundlichem Gruß Familie Daniel

    Antworten
    • Silke Thole

      17. November 2014 (17:34)

      Liebe Familie Daniel.
      Als Kfw70-Haus dürfte Ihr Haus gut gdämmt werden und da ist die Schimmelgefahr tatsächlich nicht so hoch. Siehe dazu auch Ronny Meyer’s Blog-Beitrag „Gedämmte Wände schimmeln nicht“. Die Lüftung dient in luftdicht gebauten Häusern vor allem dazu, verbrauchte Luft auszutauschen. Ob dafür die manuelle Lüftung reicht, sollte aus dem Lüftungskonzept hervorgehen, das für Ihr Haus erstellt worden ist. Ein solches Lüftungskonzept ist inzwischen verpflichtend für Neubauten oder Gebäude, die umfassend saniert werden. Fragen Sie Ihren Architekten danach. Zu Schimmel kommt es nur dann, wenn feuchte Luft auf kalte Stellen trifft und dort kondensiert. Das kann auch bei gedämmten Häusern der Fall sein, wenn nicht alle Wärmebrücken beseitigt wurden.
      Freundliche Grüße, Das Team von EnBauSa.de

      Antworten
      • Daniel

        17. November 2014 (17:52)

        Herzlichen Dank Frau Thole für die schnelle Antwort, nun wissen wir was zu tun ist.
        DANKE!!!
        Ihnen allen alles Gute weiterhin…
        Beste Grüße

        Fam. Daniel

        Antworten
  • trala

    30. April 2015 (22:59)

    als das mit der dämmung in unseren wohnblock anfing, zugeklebt, schimmel, einfach hässlich und seelenlos haben wir die koffer gepackt. miete stieg auf 150 euro mehr. haben ein haus gekauft , energieausweis im grünen bereich. kein schnipsel von dem pappzeug kommt mir da hin. lieber wander ich aus.

    Antworten
  • Onur

    21. Februar 2016 (10:49)

    Mathematik ist sehr wohl diskutierbar.
    Klassisches Beispiel: alte 2-fach verglaste Fenster raus und neue 3-fach verglaste hoch wärmedämmende Fenster rein.
    Theoretische Energieersparnis mathematisch eindeutig berechenbar.
    Praktische Energieersparnis = null, da die Raumluft aufgrund der dichteren Fenster schneller stickig wird und daher öfter gelüftet werden muss, wodurch die ganze eingesparte Energie wieder flöten geht.
    Seit neuestem gibt es ja sogar 3-fach verglaste Fenster mit integrierter Dauerzwangslüftung, was an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten ist.

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